Staffel 1

Das Auto in Wien: Transkript zur Folge

Wie schaut Wien aus, wenn die Stadt völlig klimaneutral ist? Es gibt dann keine Parkplätze mehr auf der Straße, waren sich Barbara Laa von der Technischen Universität Wien, Thomas Madreiter von der Stadt Wien und Alexander Nikolai (SPÖ), Bezirksvorsteher im 2. Wiener Bezirk, einig. Hier ist das Transkript der Folge. Achtung: Das ist ein Experiment. Es sind ziemlich sicher noch ziemlich viele Fehler drinnen, es wurde automatisch mit Trint transkribiert und dann mit fünf Stunden Arbeitszeit noch nachkorrigiert.

Andreas Sator [00:03:19] VIelen Dank fürs Kommen. Ich würde gerne mit einer kleinen Runde starten. Barbara, du bist Verkehrsforscherin an der Technischen Universität in Wien, auch als Aktivistin tätig bei Platz für Wien. Ihr habt über 60.000 oder an die 60.000 Unterschriften gesammelt für mehr Platz für Fußgänger:innen und Radfahrer:innen in Wien. Wenn wir jetzt mal ein bisschen in die Zukunft denken zehn, 15, vielleicht auch 20 Jahre in die Zukunft und du stellst dir ein klimaneutrales, nachhaltiges Wien vor, jetzt mit Fokus auf Mobilität und den öffentlichen Raum. Wie schaut das aus?

Barbara Laa [00:03:58] Also bei Platz für Wien haben wir ja die Vision bis zum Jahr 2030 gemacht. So einen ganz konkreten Fahrplan, wie wir da mit unseren 18 Forderungen hinkommen könnten. Und da haben wir ganz klar gesagt, wir wollen für den Radverkehr ein flächendeckendes, durchgängiges Radinfrastrukturnetz, das sicher befahrbar ist. Das heißt, es muss nicht in jeder Straße ein Radweg sein, sondern wir haben das so hierarchisch, ein hierarchisches Netz gedacht. Das heißt, auf jeder Hauptstraße, wo viel Autoverkehr ist, wo man vielleicht doch derzeit noch schneller fahren darf, kommt dann baulich getrennt ein Radweg, damit sich dort auch Kinder sicher fühlen. Oder solche, die halt im Mischverkehr mit viel Kfz nicht sicher unterwegs sind und im niederrangigen Straßennetz in Wohnbereichen eher, oder auch auf Einkaufsstraßen, da wünschen wir uns, dass vermehrt verkehrsberuhigte Wohngebiete gemacht werden. Da haben wir gesagt, wir wollen 100 verkehrsberuhigte Wohngebiete nach dem Modell des Super Blocks in Barcelona und ja, auch mehr Begegnungszonen, Fußgängerzonen und für die Fahrräder Fahrradstraßen oder eben solche verkehrsberuhigte Bereiche, dass kein Durchzugsverkehr mehr ist vom KFZ. Und deswegen kann man sich auch sicher mit dem Fahrrad dort bewegen. Das ist mal der Teil für den Radverkehr und das greift natürlich ineinander, dass es für die Fußgänger:innen schöner wird. Dass wir mehr Aufenthaltsqualität haben, auch kombiniert mit mehr Grünraum, was natürlich auch für die Klimawandel Anpassung wichtig ist, sodass wir genügend Schatten haben, dass wir auch mehr Wasser aufnehmen können für Starkregenereignisse und hier auch eine Kühlung schaffen und dass der öffentliche Raum einfach wieder Aufenthaltsraum wird, wo man sich treffen kann, wo man Zeit verbringt und nicht dieser reine Transitraum, wie er das heutzutage oft ist, wo einfach nur der Autoverkehr durchrauscht, wo vielleicht auch Schleichwege genutzt werden. Genau das ist so dieser dieser pragmatische, konkrete Ansatz bis zum Jahr 2030, wo wir gesagt haben, wenn man unsere Forderungen umsetzt, dann schaffen wir das. Meine persönliche Vision im Jahr 2040 wäre dann natürlich noch weitreichender.

Andreas Sator [00:06:09] Und wie schaut die aus?

Barbara Laa [00:06:13] Na ja, es gibt manche Dinge, die dauern länger bzw. auch zum Beispiel den öffentlichen Verkehr. Den haben wir jetzt als Platz für Wien selber gar nicht bedacht. Der ist natürlich auch wichtig, vor allem in einer Großstadt wie Wien, die Beziehungen zum Umland, also die Verbindungen nach Niederösterreich, da muss meiner Meinung nach noch sehr viel getan werden. Beim öffentlichen Verkehr geht es auch darum, dass man den noch stärker bevorzugt, dass an der Ampel immer grün hat. Also wir sagen da halt nur an Haltestellen, dass man sonst freie Fahrt hat für den öffentlichen Verkehr, dass man auch schaut, wie kann man Straßenbahn strecken noch attraktiver machen, mit Rasengleisen und noch neue Straßenbahnstrecken, vor allem im 22.. Ein bisschen was ist jetzt schon geplant, aber da ist auch noch viel, viel Luft nach oben. Genau. Also das ist jetzt vielleicht auch diese technische Herangehensweise, aber als Vision einfach, dass sich jeder sicher im öffentlichen Raum aufhalten kann, dass es auch schön ist, dass es angenehm ist, dass man nicht in dieser Hitzeinsel ist, was eine Belastung für den Körper darstellt, dass man mit offenem Fenster gut schlafen kann, weil nicht draußen der laute Autoverkehr vorbeirauscht. Und so weiter. Und dass es für jeden Menschen möglich ist, seine Alltagswege nachhaltig zurückzulegen. Dass niemand mehr aufs Auto angewiesen ist, weil es teuer ist, weil wir uns diese fossile Zukunft nicht mehr leisten können sollen.

Andreas Sator [00:07:34] Und wir sitzen jetzt im achten Bezirk, dass eigentlich fast in jeder einzelnen Gasse links und rechts parken Autos. Wie schaut das 2040 aus, wenn es nach dir geht?

Barbara Laa [00:07:45] Meiner Meinung nach sollte es an der Oberfläche eigentlich keine Abstellplätze mehr geben für Dauerparker. Das heißt die wenigen Autos die noch überbleiben, weil ganz werden wir sie nicht wegkriegen bis dahin, die sollten in Garagen parken und der öffentliche Raum sollte aber eben vorwiegend fürs zu Fuß gehen, Radfahren, den öffentlichen Verkehr genutzt werden. Natürlich brauchen wir dann auch noch mehr Lieferzonen für den Lieferverkehr und also so Haltezonen wird es auch weiterhin geben, wenn man mal was beladen muss oder sowas, ein Umzug, je nachdem. Aber das wirklich diese privaten Autos, die zwölf Quadratmeter, 23 Stunden am Tag verstellen und zusätzliche Hitzebelastung sind im öffentlichen Raum, das geht sich 2040 einfach nicht mehr aus für mich.

Andreas Sator [00:08:31] Vielen Dank. Thomas, du bist in der Wiener Verwaltung für das große Ganze, für Big Picture Stuff zuständig. Was ist dein Big Picture Wien in zehn, 15, vielleicht 20 Jahren?

Thomas Madreiter [00:08:45] Also zum Verkehrsfachlichen möchte, mit dem was die Barbara gesagt hat und ich hoffe ich war jetzt nicht irgendwie schlampig beim Zuhören, vollständig folgen. So gibt es keinen Punkt, wo ich dagegen argumentieren würde. Was mir einfach wichtig ist, wir müssen zwei Dinge zusammenbringen. Nämlich zum einen dringlichst verständlich machen, wie problematisch die Klimasituation wirklich ist. Das ist traurigerweise auf verschiedensten Ebenen nicht verstanden in der Tragweite. Und zum anderen aus dem ableitend, strategien und Prozesse entwickeln, wie die Transformation aussieht. Das ist mir das zentrale Anliegen. Weil wir streiten oft über Finalbilder, wo wir aber zu 95 % deckungsgleich sind. Und die entscheidende Frage kann ich nur wiederholen: Wie kriegen wir es geregelt? Wie kommen wir dort hin? Welche Strategien lassen uns diese Veränderung erfolgreich gestalten? Und ich kann da den Kurt Schumacher zitieren. Das war der erste SPD Vorsitzende in Deutschland nach dem Krieg und er hat was richtiges gesagt, nämlich erfolgreiche Politik beginnt mit dem Wahrnehmen von Wirklichkeit. Wir müssen für die real existierenden Bürgerinnen und Bürger, für die real existierenden Strukturen eine Transformation anbieten, aber in der erforderlichen Geschwindigkeit. Und das ist spannend, das ist aber nicht unlösbar. Also ich bin da durchaus optimistisch und würde mich freuen, wenn wir uns in der nächsten Stunde ein bisschen detaillierter unterhalten könnten. Aber ich habe jetzt sozusagen nicht viel zum Finalbild gesagt, weil wenn man wollte, könnte man das von der Barbara übernehmen.

Andreas Sator [00:10:28] Schön.

Alexander Nikolai [00:10:28] Das hört sich gut an!

Andreas Sator [00:10:32] Alex, wie ist das bei dir? Du bist nah an den Mensche als. Bezirksvorsteher im zweiten Bezirk. Für die Zuhörer:innen, die nicht aus Wien sind, dort ist der Prater, Praterstern, die Wirtschaftsuni ist dort und man kann jetzt, viele Pläne schmieden und schlaue PKW Reduktionspläne machen, aber irgendwer muss dann auch gewählt werden und oder muss das dann auch verkaufen und die Leute mitnehmen. Und das ist dein Metier. Was hast du, wenn man länger in die Zukunft blickt? Wien ist klimaneutral und Nachhaltigkeit ist nicht mehr nur was, was man gut drauf druckt, sondern das ist jetzt der Status quo. Wie schaut dein Wien aus? Und vielleicht den Bezirk?

Alexander Nikolai [00:11:23] Na, ich sehe, dass wie meine Vorrednerinnen und Vorredner das sehr genau auf den Punkt gebracht. Wir müssen endlich die Relationen annehmen, dass es so ist, dass die Maßnahmen auch zu setzen sind und das tun wir auch. Es ist Schritt für Schritt in jedem Projekt implädiert, dass es natürlich in die Zukunft führend öffentlicher Ausbau, öffentlicher Verkehrsmittel Ausbau viele Plätze zu schaffen, wo auch nicht motorisierter Verkehr stehen kann, auch fahren kann und auch dies, was immer so vergessen wird, die zu Fuß gehenden Menschen noch Platz bekommen. Ich glaube, dass das bei den Projekten auch mit der Stadt Wien und mit dem Bezirk auch in Zukunft so sein wird und muss auch so sein. Also alle Projekte, die angefangen haben, wir machen eine Begrünung, wir machen Wasser und Beschattung und alles muss man auch die Zeit sich nehmen, dann sozusagen. Aber wenn wir auf dem Fahrplan 30/40 hinkommen wollen, dann müssen wir auch jetzt bei den Projekten nachjustieren und evaluieren. Und das tun wir auch bei jedem Projekt danach. Und das wird dann auch so sein. Das hat jetzt 54 keine Bäume gesetzt werden, sondern es Wasserspiegel Beschattung kommt, sondern dass man dann schaut, dass halt Großteile dazu größere Bauumsetzungen notwendig sind, größere Flächen die entziegelt werden und was noch dazu kommt, die Beschattung, wo die Menschen auch wenn die Hitzewelle kommt, auch dort hin bewegen können. Und wir haben ja Gott sei Dank ein Glück im Bezirk, dass wir viel Grün haben mit Hauptallee und Würstelprater und viel mehr, dass wir dort Augarten und solche Situationen auch vorfinden, heißt aber noch lange nicht, dass man sich zurücklehnen kann. Und wer gewählt wird, wird dann der Wähler und Wählerinnen entscheiden, wenn die Maßnahmen zum Großteil richtig waren. Aber für mich ist die Aufgabe die zentrale Aufgabe, mit den Menschen zu arbeiten und direkt auch die Probleme anzufassen, die dort auch kommuniziert werden. Und so sehe ich meine Arbeit und so werde ich sie auch machen.

Andreas Sator [00:13:13] Und die Vision von der Barbara? Gibt es da Dinge, wo du denkst, das stelle ich mir anders vor? Hätte ich gerne anders oder da kann man die Leute nicht mitnehmen?

Alexander Nikolai [00:13:26] Nein, stelle ich mir nicht anders vor, nur der Fahrplan, Thomas hat es zuerst auch angeschnitten, die Etappen, die dorthin sind, sind eine wichtige Etappe. Wir müssen reduzieren. Wir müssen aber auch, wenn wir reduzieren und den Menschen sagen, du musst auf dein Auto verzichten oder auf dein motorisiertes Fahrzeug. Ich sage auch Carsharing oder viele andere Mobilitätsangebote machen und öffentlichen Verkehr ausbauen, verdichten und anbinden. Nicht nur in Wien oder in den Bezirken, sondern auch nach außen, wo die Pendler einpendeln und die auch mitnehmen. Ich glaube, da kann ich wirklich jeden Schritt mitnehmen, auch die Zeitspanne ist ja auch noch, wir haben 22, so weit ist 30 nicht mehr weit entfernt und 40 schon gar nicht, aber die Etappen sind in Wien glaube ich, schon jetzt, da auch wahrgenommen worden und auch bei den Bezirken angekommen ist. So langsam ist das Umdenken auch schon da. Aber wir müssen halt beschleunigen das Denken bei manchen und auch bei uns selbst.

Andreas Sator [00:14:18] Das ist ja für mich faszinierend, da sitzt jetzt Verwaltung, Politik, Wissenschaft, Aktivismus alle sind sich einig. Barbara, wenn man dir auf Twitter folgt, du regst dich immer wieder auf über die Stadt Wien und den Status Quo. Warum denn, wenn wir alle dasselbe Ziel haben?

Barbara Laa [00:14:37] Für mich ist eine Diskrepanz zwischen dem, was angekündigt wird, was auch ja propagiert wird, wo die Stadt hinwill und dann die tatsächlichen Schritte. Also als Platz für Wien haben wir gesagt, Strategien sind da, wir haben die Smart City Strategie, Fachkonzept Mobilität, Stadtentwicklungsplan und so weiter. Das liest sich wunderbar, das deckt sich auch teilweise mit unseren Forderungen sehr gut. Aber wir haben in Wien das Problem, dass viele Kompetenzen, was den Verkehr angeht, im Bezirk sind. Dort werden dann eben teilweise bei Einzelprojekten Entscheidungen getroffen, die in eine andere Richtung gehen. Es gibt zum Beispiel der Jürgen Czernohorszky, Klima Stadtrat, hat in einem Interview mal gesagt, von nun an, immer wenn eine Straße aufgerissen wird, wird sie angepasst mit Begrünung, Klimawandelanpassung, dass man auch schaut, wie kann man sie umgestalten, dass sie für nachhaltigen Verkehr besser wird, das passiert de facto nicht, das kann man sich überlegen. Und jetzt wurde gerade angekündigt, zum Beispiel für Reinprechtsdorfer Straße eine Umgestaltung. Das wäre eine direkte Verbindung für den Radverkehr und dort soll jetzt auch kein baulich getrennter Radweg kommen. Und es ist dann wirklich in diesen Detailprojekten, wo entschieden wird, dass es nicht in die Richtung geht, wie es gehen soll. Wir haben auch im zweiten Bezirk, zum Beispiel gab es eine Studie zum Thema Super Grätzel, also dass wir dieses verkehrsberuhigte Wohngebiet a la Barcelona, das würde auch vom neuen Bezirksvorsteher, also vom Alex, erst mal die Stopptaste gedrückt. Und es ist ja, es gibt schon viele, viele Pläne, auch in den Schubladen und ich weiß dann auch selber nicht, woran es im Einzelfall scheitert. Aber es ist tatsächlich in den Einzelprojekten, dass teilweise anders entschieden wird bzw dass es tatsächlich nicht so schnell voran geht, wie es gehen müsste. Ja, die Stadt macht jetzt mehr. Sie hat auch ein großes neues Mega-Rad Ausbauprogramm angekündigt, das größte aller Zeiten. Da wurden glaube ich 17 Kilometer neue Radinfrastruktur angekündigt. Als Platz für Wien haben wir ausgerechnet, wenn wir dieses 2030 Ziel erreichen müssten, müssten wir jedes Jahr 30 Kilometer bauen. Das heißt, es fehlt noch ein bisschen dieser konkrete Fahrplan. Also in den Strategiepapieren steht, man möchte Flächen umverteilen, man möchte auch Parkplätze umwandeln in Flächen für aktive Mobilität. Aber ich sehe das nicht im großen Maßstab passieren, und es steht auch nicht geschrieben, konkrete Zahlen, also wie viele Parkplätze jedes Jahr umgewandelt werden sollen. Und so weiter, während wir das in anderen Städten schon sehen. Ich meine, die Pariser Bürgermeisterin ist mit der Ankündigung in den letzten Wahlkampf gegangen. Sie möchte 60.000 Parkplätze umwandeln. Und in Wien drückt man sich da ein bisschen herum. Im neuen Klimafahrplan steht, wir machen jetzt mal eine Garagenerhebung und das soll dann vielleicht die Basis sein, dass man schaut wie viel ist machbar. Aber wir haben jetzt schon sehr sehr viel mehr Parkplätze im öffentlichen Raum und wenn es da keine konkreten Ansagen gibt, fällt es auch schwer, als Bürgerin nachzuverfolgen, ist man da und Track oder nicht? Und das ist das, was wir als Platz für Wien versuchen wir gesagt, konkrete Zahlen, das müsste sein. Jetzt kann man auch schauen, jedes Jahr kommen wir dahin oder geht sich nicht aus.

Andreas Sator [00:17:58] Alex Du bist angesprochen worden. Magst du reagieren?

Alexander Nikolai [00:18:01] Ganz einfach. Es gibt Projekte und Entwicklungen, die in den Bezirken vorangetrieben werden und das ist ja so ein Projekt, was du jetzt mit den Super Block angesprochen hast. Ja, das sind Maßnahmen im Vorfeld, die auch zusätzlich gemacht wurden, wo einfach das Projekt und das Gebiet eingeschlossen wurde und nicht nachgedacht wurde, was heißt, das für eine Außenwirkung nach außen und ich hab es trotzdem auf die Stopptaste oder zurückgestellt. Ich hab es ja nicht weggenommen, sondern gestoppt und zurückgenommen, auch mit der Magistratsabteilung 18 damals noch, auch zurückgehalten das Projekt, das es natürlich abgeschlossen ist das Projekt, aber auch nicht verwirklicht wird, weil ich davon ausgehe und ich bin davon ausgegangen und ich sehe es jetzt auch, dass das über dem Stuwerviertel oder über die Volkertviertel-Situation hinausgeht. Und die Situation ist ja nicht nur zum Beispiel am Tabor abgeschlossen, dort ist alles zu. Da kann ich auch alle Firmen, die dort sind, nicht mehr Lieferzonen, gibt es dort keine mehr, die sind abgeschlossen. Es gibt insgesamt von 120 Parkplätzen in 90 mehr als 90 Parkplätze sind vernichtet worden. Dort dann auch zu.

Andreas Sator [00:19:08] Kurz nur den den Kontext für die nicht Wiener:innen wieder. Am Tabor, also du hast bevor du vor eineinhalb Jahren den Bezirksvorsteher übernommen hast…

Alexander Nikolai [00:19:19] Bevor ich am 1. Dezember 2020 Bezirksvorsteher war, war vorher die Umsetzung am Tabor mit dem eigenständigen Radweg, mit der Parkplatzreduzierung komplett. Von insgesamt 100 auf 90, also auf zehn Parkplätze insgesamt und es ist am Tabor passiert, drinnen, mitten drinnen, das ist von meiner Vorgängerin, von der grünen Vorgängerin. Das hat mit der Situation so gepasst, dass natürlich auch ausgewiesen worden ist Ihr könnt nicht alle in die Lessinggarage, das ist gleich im Viertel drinnen, die Lessinggarage ist ab den dritten Monat komplett ausgeparkt gewesen. Die Menschen haben keine Parkplatzsituation mehr und es gibt auch keine Ausweichsituation für alle die da drinnen keinen Parkplatz mehr finden, wandern aus in die Nebengebiete Viertel und vieles mehr. Ich glaube, dass es aber trotzdem wichtig ist, dieses Viertel aufzuwerten und wir tun es ja. Verkehrsberuhigung, Volkertstraße ist total verkehrsberuhigt worden neben der Schule. Also die Schule ist außer dem Bereich Novaragasse schon verkehrsberuhigt, ist auch zurückgegeben worden. Dort findet jetzt Garteln statt und vieles mehr. Aber natürlich wird es in Zukunft auch in dem Volkertviertel viele Maßnahmen zusätzlich geben, wie es jetzt damit im nächsten Jahr in der Planung mit dem Volkertplatz, wo sieht es mehr Sitzmöblagen, Begrünung und Maßnahmen zur Hitzereduktion und auch die Rueppgasse, das Stück dort begrünt wird und vieles mehr. Also Schritt für Schritt, weil daneben auch die nächste Hauptader wartet, das ist die Heinestraße, die müssen wir auch noch mitbedenken. Und ich sage ganz offen offen und ehrlich: Ja Schritt für Schritt aber wir werden es tun. Die Menschen wollen das, die Menschen brauchen das. Und wir tun es auch.

Barbara Laa [00:20:54] Darf ich noch eine Nachfragestellen? Weil ein Thema, das wir als Platz für Wien adressiert haben, ist, dass wir mehr Transparenz fordern, dass es eben auch nachvollziehbar ist, warum werden welche Maßnahmen getroffen und auf welcher Basis. Und eben zum Beispiel auch genau diese Studie im Volkertviertel, die ist nicht öffentlich verfügbar. Das ist was, das, das fordern wir, das ist auch alles öffentlich verfügbar gemacht wird. Und ja, wird die dann auch bald mal öffentlich verfügbar sein oder warum ist sie das noch nicht?

Alexander Nikolai [00:21:25] Also ich bin nicht die Magistratsabteilung 18 und die liegt da drinnen, das Projekt. Und es ist auch mit den Stadträten und mit der Stadträtin auch so zurückkolportiert worden, dass diese Maßnahme ja zurückgestellt worden ist, nicht abgesagt worden ist und auch bei den nächsten Projektplanungen, die wir haben, Heinestraße und vieles mehr, Verkehrsberuhigung reingeben muss, weil wir haben ja auch Praterstraße, Praterstern Umbau und vieles mehr, wo dann Schritt für Schritt auch der Bezirk durchgegangen werden muss und die Blöcke mitgenommen werden. Ich kann es nicht, ich bin nicht der Veröffentlicher, ich bin der Bezirksvorsteher. Nicht der Veröffentlicher einer Studie.

Barbara Laa [00:21:57] Aber Sie wären dafür, dass es verfügbar ist für die Öffentlichkeit?

Alexander Nikolai [00:22:00] Wir haben es ja schon dazwischen gehabt, dass die Studien mitgenommen worden sind. Aber ich finde eine Veröffentlichung einer Studie, die nicht umsetzbar ist, jetzt zurückgestellt worden ist, nicht für mich als Bezirk abgeschlossen ist, eine Veröffentlichung und dann kommen die nächsten Diskussionen, warum wird nur da und dort aber noch angestückelt?

Barbara Laa [00:22:17] Das wäre doch schön, wenn man die Diskussion in Gang bringt oder?

Alexander Nikolai [00:22:19] Die Diskussionen müssen wir vor Ort machen, nicht nur immer über über Medien und über über Kanäle, sondern ich glaub, dass die Studie und die Menschen dort ein ganz, ganz wichtig ist, mit dem Menschen in Kontakt zu treten. Und die sehen das ein bisschen anders, unterschiedlicher. Ich glaube, dass das auch wichtig ist. Das ist Bezirkspolitik und die tun wir auch.

Barbara Laa [00:22:35] Aber wenn man sie online stellt, können ja auch die Menschen vor Ort sie runterladen, sich das schon mal in Ruhe anschauen und dann in Diskussion treten.

Alexander Nikolai [00:22:40] Es kann schon möglich sein, es kann schon möglich sein. Ich bin nicht der Veröffentlicher, ich bin der Bezirksvorsteher und der sich um die Sorgen der Menschen kümmert. Und das tue ich auch.

Andreas Sator [00:22:49] Aber vielleicht mal ganz kurz um dabei zu bleiben, weil eine mit Steuergeld finanzierte Studie, verstehe ich vielleicht, dass du die Diskussion nicht mehr willst bei dir im Bezirk.

Alexander Nikolai [00:22:57] Nicht ich die Diskussion nicht mehr will sondern ich nicht der Veröffentlicher der Studie bin.

Andreas Sator [00:23:01] Ja, aber jetzt um da konkret bei der Frage von der Barbara zu bleiben wärst du dafür, dass sowas öffentlich ist? Mit Steuergeld finanzierte Studie, warum auch für mich als Journalist. Warum sollte ich die nicht lesen dürfen?

Alexander Nikolai [00:23:13] Ja nochmal, ich bin nicht der Veröffentlicher.

Andreas Sator [00:23:15] Ja aber wärst du dafür

Alexander Nikolai [00:23:15] Wenn es veröffentlicht wird, dann ist es auch so, dann können wir weiter diskutieren.

Andreas Sator [00:23:19] Warum wir als Politiker nicht Transparenz und dass man eine Studie, die mit Steuergeld bezahlt, der Öffentlichkeit zur Verfügung steht?

Alexander Nikolai [00:23:27] Nochmal.

Andreas Sator [00:23:28] Was möchtest du persönlich, auch wenn du nicht verantwortlich bist?

Alexander Nikolai [00:23:29] Wenn es veröffentlicht wird von der Magistratsabteilung wird es auch freigegeben und veröffentlicht. Dann können wir auch weiter diskutieren.

Andreas Sator [00:23:35] Aber du willst es trotzdem lieber nicht veröffentlicht haben. Also dich zumindest nicht festlegen. Thomas, MA 18, ist angesprochen worden. Da bist du der Chef, wie schauts da aus.

Thomas Madreiter [00:23:43] Nein ich bin nicht der Chef der MA 18. Ich seh das durchaus, also da kann man zwei Standpunkte einnehmen und das muss man sich einfach nochmal genauer anschauen. Weil es schon einigermaßen verwirrend ist, wenn jetzt eine Studie wo entschieden ist, dass also ein Planungsansatz, dass der so nicht kommt. also ich erkenne den Wert, dass man das diskutiert. Aber auf der anderen Seiten erkenne ich auch das Verwirrungspotenzial, wenn schon klar ist, und auch in einer repräsentativen Demokratie, das kann einem jetzt gefallen oder nicht, das räume ich ein, dass diese Variante so nicht kommt. Ich will aber noch einmal eine Ebene höher gehen und das, was die Barbara angezogen hat, das jetzt simple zusammenfassen und salopp zusammenfassen. Worum geht es in schneller? Das war glaub ich die Kurzfassung.

Barbara Laa [00:24:29] Kann man so sagen.

Thomas Madreiter [00:24:31] Zum einen kann man sagen, auch dort würde es mich freuen, an vielen Stellen, wenn es schneller ginge, ich würde einfach ein Bild gebrauchen. Und zwar diese Klimakrise fordert in Wahrheit alle immens heraus. Also das sind alle Strukturen extrem gefordert und ich bin da ein begeisterter Radfahrer und jetzt stellen wir uns ein Bild vor: Es ist der 2. Jänner, es ist sieben Uhr in der Früh, es ist ein Glatteis es hat zwei cm geschnien. Ich fahre mit dem Rad, das geht im übrigen und es ergibt so das Erfordernis, dass das Rad rasch zum Stillstand bringe, wenn er dort die Bremsen unmittelbar anziehe, dann liege am Boden. Also ich werde dort eine Strategie finden müssen, dass ich das Rad zum Stillstand bringe, aber so, dass ich nicht auf der Erde liegt. Und ähnlich sehe ich hier die Thematik. In Wien sinkt beispielsweise die Anzahl der PKWs relevant, während etwa in Wien in den letzten zehn Jahren die Anzahl der Haushalte ohne Auto um 85.000 gestiegen ist, also um 85.000 Haushalte mehr in den letzten zehn Jahren ohne Auto. Ja der Auto besitz in Wien auch in dem Zeitraum oder zwischen 2005 und 2019 um 7% gesunken, in anderen Bundesländern zwischen 15 und 20 Prozent gestiegen. Wir schaffen eben genau hier die Voraussetzungen, die die notwendig sind, um diese Veränderungen durchführen zu können. Weil ich sehr wohl der Meinung bin, dass wir diese Veränderungen, die auch klare Einschnitte in die Gewohnheiten der Menschen sind, in die Tagesabläufe der Menschen sind, mit einem Höchstmaß an Akzeptanz umsetzen sollten. Und insoferne ist es aus meiner Sicht total wichtig, durch gute Beispiele Mariahilferstraße, Herrengasse, Rotenturmstraße, die Praterstraße wird vier zu eins, der Praterstern wird hier noch einmal aufgemotzt. In der Seestadt gibt es entsprechende Strukturen und an vielen anderen Orten einfach die Basis dafür zu legen, dass das auch adäquat nachgefragt wird. Und für mich ist es einfach Zug um Zug vorgehen. Weil für mich als Stadtplaner und das ist genau das, was in der ersten Wortmeldung gemeint habe, Finalbild ist gleiche, aber sozusagen eine Vorgangsweise, die ich dir bitte nicht unterstelle, aber die dazu führen könnte, nämlich Operation gelungen, Patient tot, das kann für uns keine Strategie sein. Also muss immer den sozialen Kontext mitdenken und für mich ist mein Kernbusiness würde ich sagen, der Umgang mit Zielwiedersprüchen. Das ist auf der einen Seite Sachen gibt es völlig klar, da muss ich schneller sein, logischer. Aber jetzt gibt es dann eben anderes Ziel und es gibt dann immer drittes und viertes Ziel und wie tarier ich das aus und wie finde ich hier die Balance, sodass ich das grundsätzlich nicht aus den Augen, aus den Augen verliert? Das ist, finde ich zumindest, relativ klar belegt. Zwei Zahlen noch einmal, ich wiederhole das einfach weil es mir gut gefällt, -85.000 Haushalte mit Autobesitz. Und zum Zweiten eine Zahl, dass mittlerweile 90 % der Wienerinnen und Wiener das ist ein bisserl salopp zusammenfassen, für sich sagen, eigentlich muss man in Wien keinen privat PKW mehr besitzen, für die persönliche Mobilität. Da hat es natürlich irre Vorarbeiten bedurft. Also das ist sozusagen 30, 40 Jahre erfolgreiches Arbeiten der Wiener Linien, ÖV Ausbau, Fußgängerfreundlichkeit, Stadtstruktur, Radwegestruktur. Und wir müssen diese Systeme parallel hochfahren, weil dann kann ich umgekehrt, flankiert von Maßnahmen wie jetzt flächendeckender Ausbau, flächendeckende Parkraumbewirtschaftung in Wien, hol ich mir wieder die Flächen, die ich genau für diesen Ausbau benötige.

Andreas Sator [00:28:24] Ihr müsst euch gar nicht melden, einfach miteinander reden.

Barbara Laa [00:28:28] Ich wollte nicht unterbrechen, deswegen und damit ich es nicht vergesse. Ja, ich würde gerne was sagen zum Thema der Umsetzung und dass man die Menschen mitnimmt und so weiter. Diese Vision, also Forderungen von Platz für Wien, wir haben da einerseits sehr, sehr viele Unterschriften dafür gesammelt, um zu zeigen, dass es breite Unterstützung dafür gibt. Aber natürlich sagen wir nicht, das ist jetzt das Perfekte und so muss es umgesetzt werden. Im Eingangstext der Petition festgehalten, dass die konkreten Umsetzung natürlich mit Bürgerbeteiligungsprozessen umgesetzt werden sollen. Und ich halte das so wie die Gabu Heindl in ihrem Buch „Stadt Konflikte“, wir müssen mehr streiten und wir müssen das auch zulassen, dass wir diese Zielkonflikte auch austragen können. Und das ist auch ein bisschen eine Kritik an der Stadt Wien, die sich meiner Meinung nach ein bisschen davor fürchtet. Oder zumindest wirkt es manchmal so, es fällt oft dieses das gemeinsame Miteinander und wir müssen alle aufeinander schauen, wo nicht berücksichtigt wird, dass wir in den letzten Jahrzehnten einfach massiv den Autoverkehr privilegiert haben, dass wir da irgendwie davon zurückkommen müssen und dass es nicht dieselbe Legitimität hat, wenn zwei aufschreien, dass sie am Parkplatz verlieren, während sich vielleicht 200 freuen, dass wir jetzt diese Aufenthaltsflächen im öffentlichen Raum bekommen. Und wir haben versucht, das zu thematisieren und mit dieser Petition, die wir eingereicht haben, für mich war das auch eigentlich ein Skandal, wie man da behandelt wird als Bürgerinitiative, die sagt, wir haben da Arbeit reingesteckt, wenn wir es ausgearbeitet. Liebe Stadt, bitte macht das. Und dann ist man in einem Prozess von diesem Petitionsausschuss, wo man sich überhaupt nicht ernst genommen fühlt. Also es werden dann Stellungnahmen eingeholt und die waren teilweise zu spät. Also die Stadträtin Sima hat ihre nicht rechtzeitig abgegeben. Dann haben einige Bezirksvorsteher fast wortgleich Stellungnahmen eingegeben. Ich kann mich nicht erinnern. Ich glaube, der zweite Bezirk war dabei und eine Bezirksvorsteherin hat zum Beispiel eine falsche Thematik abgegeben. Der Bürgermeister musste sich gar nicht zu Wort melden. Und dann haben wir gesagt Wir fordern natürlich noch die Richtigen ein. Wir fordern auch die Bürgermeister noch ein. Das ist nicht passiert. Die Stadträtin Sima hat dann ein paar Monate später ihre abgegeben, die teilweise wortgleich war mit jenen da gleichen Bezirksvertretungen. Also da fühlt man sich nicht ernst genommen. Dann war das Fazit von diesem Petitionsausschuss, dass die Stadt ohnehin schon alles macht, ist eh supergut. Prozess beendet. Also ich bin voll dafür, dass wir schauen, wie können wir alle mitnehmen, dass wir das ausdiskutieren, aber da gibt es meiner Meinung nach auch noch einiges zu tun, wie man wirklich die Bevölkerung mitnimmt, sagt wir nehmen das ernst und wir schauen uns das an.

Thomas Madreiter [00:31:13] Darf ich da reingrätschen, dass Stadt immer auch Konflikt ist und Reibung, das ist für mich klar. Und die Frage ist, wie man Konflikte austrägt und ich glaube, das ist sehr wohl zivilisiert möglich. Ich glaube, man muss eines anerkennen dass in der Klimakrise die Mobilität vermutlich eines der, um nicht zu sagen, das polarisierende Thema ist. Gebäude, Energie, da weden die Leute nicht so wahnsinnig, streiten darüber. Ernährung, ja, muss man sich anschauen, wird nicht überall einen Konsens geben. Aber die, die die Mobilität ist polarisierend und die Forschung, was dir ja völlig klar ist, weiß, dass wir natürlich Mobilität, das ist was der Name schon sagt, ein Synonym auch für für Autonomie, für Beweglichkeit, für Freiheit, für für Möglichkeiten, für Optionen. Also da geht’s wirklich ans Eingemachte und ich stelle jetzt schon noch mal zur Diskussion, es steht mir überhaupt nicht zu, die Ziele und Strategien einer Bürgerinitiative oder einer NGO zu hinterfragen, das müsst ihr euch selber überlegen. Aber meine mein persönliches Gefühl sagt mir angesichts der wahnsinnig knappen zur Verfügung stehenden Zeit, um das geregelt oder gelöst zu bekommen, ist einfach ein weiteres Polarisieren aus meiner Sicht und Hineingehen in Konflikte die falsche Strategie. Sondern wir müssen diese Erzählung und Vision einer besseren Zukunft formulieren. Es muss uns gelingen, sozusagen nicht nur die Leute, die so vielleicht wie du oder ich auch bei Regenwetter am Rad sitzen und perfekt ausgestattet, sondern wissen, dass es und hinterher ja eh nur besser geht, mitnehmen, die hamma in Wahrheit ja, die müssen wir behalten. Also wir müssen die mitnehmen, die das noch als Bedrohung empfinden, die Angst haben, die Sorgen haben, die die Unklarheit verspüren. Und das zeichnet mich auch aus. Also meine Position, mich um Himmels willen bitte nicht, daszeichnet meine Position aus, dass sie das sind diese ganzen Verzichtsfantersien für nicht nur entbehrlich, sondern falsch halte. Weil genau dieses Bild, dass wir in der Eingangsrunde gezeichnet haben, einer veränderten Stadt, diese Stadt des Verzichts, um Himmels willen, das ist eine Stadt der besseren Möglichkeiten und eine Stadt des angenehmeren Lebens. Und eine Stadt, wo es im Sommer kühler ist und schattiger ist und angenehmer ist. Aber trotzdem muss ich zur Kenntnis nehmen, dass ein relevanter Anteil der Bevölkerung diese Vision in dieser Form noch nicht teilt. Punkt1 und Punkt 2, ich muss zur Kenntnis nehmen, dass das gewaltige Ressourcenaufwände sind, die Stadt in dieser Hinsicht umzubauen. Also da müssen wir uns im Übrigen auch andere Strategien als in der Vergangenheit überlegen, also mit mit sorry to say Patchwork Lösungen, einfachen Lösungen. Also mit dem Tradierten schaffen wir es nicht in der Zeit, da bin ich überzeugt davon. Aber ich möchte jetzt nicht zu langatmig werden. Konflikt hat einen Platz in der Stadt, zweifelsfrei. Aber der Hauptaspekt momentan ist aus meiner Sicht wie nehme ich die Leute mit auf diesem Gebiet, auf diesem Weg und zwar wie weit überwiegende Mehrheit der Bevölkerung mit.

Barbara Laa [00:34:28] Auch noch ein Nachsatz dazu dieses wie nimmt man die Leute mit Konflikte? Das klassische Beispiel ist ja immer die Mariahilferstraße, wo auch im Vorhinein sehr, sehr viel gestritten wurde. Und die Abstimmung ist dann ganz knapp ausgefallen. Ein paar Monate später hat man noch einmal befragt und über 70 % dafür. Das heißt, oft geht es auch darum, dass man das erlebbar macht für die, für die Leute, damit sie sehen, wie es eigentlich besser sein kann. Ich glaube, wir können da auch mit anderen Strategien als in der Vergangenheit schneller umgestalten bzw. Auch mehr ausprobieren. Dieses Tactical Urbanismus zum Beispiel, das funktioniert in anderen Ländern recht gut, in Wien noch nicht so ganz. Also vor allem in der Covid Pandemie gab’s da ja weltweit sehr viele von diesen Pop-up Radwegen und so weiter auf der Praterstraße ja auch, der sehr gut angenommen wurde und das ist was wo man, wo man wirklich mit einfachen Mitteln, also das geht schnell, das ist nicht besonders teuer, kann man schnell Verbesserung schaffen. Und in anderen Ländern war das sehr erfolgreich. Dort werden jetzt diese temporären Radwege verstetigt und in Wien hat man sie dann im Wahlkampf, da wurde das auch sehr emotional aufgeladen und deswegen kommen sie nicht mehr, obwohl man ja jetzt regnet es zwar gerade, aber es ist eigentlich schon Sommer. Es wird wieder der Druck steigen, die Menschen auf den Radwegen und ich verstehe nicht, warum man nicht zum. Wieder den Pup-up Radweg macht, wenn man schon weiß, die Praterstraße wird ohnehin so umgebaut werden bis in der Übergangszeit, bis es tatsächlich gemacht wird. Warum gibt man nicht schnell günstig den Menschen wieder diesen Raum? Weil es ohnehin so umgestaltet werden wird? Dann kann man sich schon dran gewöhnen, man hat auch gesehen, es gab keinen Stau, es hat funktioniert.

Alexander Nikolai [00:36:14] Da widerspreche ich jetzt, dass kein Stau war und dass der Pop-up Radweg nicht ganz sicher war, das muss man dazusagen, weil jeder, der vorbeigefahren ist, ja trotzdem über den Radweg drüber hat müssen, den Pop-up Radweg, dann auf die Parkspur dann wieder über den Radweg dann in den gesicherten Bereich, in die Garagen oder Einfahrten. Also so gesichtert war das nicht. Aber noch einmal, wir bauen sehr vieles in den Bezirken aus und da geht es nicht immer um die Pop-up oder die Ewigkeiten, die es vorher schon woanders waren, was alles gut wäre oder schlecht wäre. Und ich glaube, dass man bei der Ehrlichkeit sein muss, auch die Pop-up Radwege sind nicht alle so super toll gekommen, sind nicht so ausgenutzt worden, weil die alten Strukturen, die wir auch haben, die Praterstraße hat seine Struktur, wo links und rechts ja sowieso ein Radweg gegeben war. Es gibt ja Straßenzüge, die haben nicht mal einen Radweg, das muss man dazu sagen, die Praterstraße hatte zwei schon vorher. Und was die Lasallestraße betrifft, hat es ja drüben auch einen Radweg schon gegeben. Das muss man auch dazu sagen, weil das wird immer so nebenbei nicht mit erwähnt, dass es ja die Infrastruktur schon gegeben hat, wo jetzt natürlich auch, und das muss man auch denjenigen, die die Verantwortung haben, in den Bezirken oder in der Stadt Wien, auch die Zeit lassen, auch das Umdenken mitzugeben. Die Zeit, und die habe ich auch gehabt und die gab, dass man da auch sehr, sehr gut im Bezirk jetzt aufgestellt sein für die nächste und für die Zukunft auch nachhaltiger zu arbeiten. Und es ist auch die Anbindung Donaustadt fängt an da drüben auch die Radinfrastruktur auszubauen und den den Ball habe ich dann auch zugespielt. Okay, dann bauen wir auch für uns breitere Radwege, dann teilen wir auch den Fußgänger Bereich und gehen denen auch wieder den Platz, dass sie auch wirklich Platz haben zum Radfahren. Und den bekommen sie auch. Ab der Reichsbrücke über den Praterstern, über die Praterstraße und das sind viele solche Wege. Und wir haben da doch ein Glück, dass wir einer der ersten Bezirke waren, der die Radinfrastruktur relativ rasch ausgebaut hat, auch wenn es zu wenig ist in Zukunft und vieles mehr. Das kommt ja alles, was wir denken, auch schon alles um. Und das kommt auch in der Stadt an den Schritt unm Schritt, den müssen wir machen. Und was noch dazukommt ist Radfahren im zweiten Bezirk ist auch mit Einbahnöffnung und viel mehr betroffen. Und es kommt auch und das haben wir ja mit Anträgen auch angenommen und das wird auch in die Zukunft die nächsten Jahre umgesetzt werden.

Thomas Madreiter [00:38:29] Wir möchten vielleicht zwei Sachen sagen. Das eine ist Radwege sind sehr teuer in der Richtung. Das ist jetzt kein Argument gegen Radwege, man sollte es einfach wissen. Und insofern ist aus meiner stadtplanerischen fachlichen Sicht damit das Hauptziel, wie ich grundsätzlich aus dem System Geschwindigkeit rausnehmen kann, damit so viel Menschen wie möglich auch auf der Straße fahren können. Wir wissen sozusagen, das objektiv die Gefährdung am Radweg oft gar nicht so gering ist, also insbesondere in den Kreuzungssituationen wo der Radfahrer dann oft vom Rechtsabbieger übersehen wird, kann man jetzt diskutieren. Also recht haben und Recht bekommen sind oft zwei Paar Schuhe, also das ist die eine Sache, die mir, die mir wichtig ist. Ich muss nicht immer nur an bauliche Maßnahmen denken. Den zweiten Gedanken, den ich einbringen möchte, oft ist die Diskussion geprägt von von, also gerade von Planerseite, von so einer Haltung, was die Leute tun sollen.  Da a bin ich ein bisschen allergisch, wenn mir jemand sagt, was ich tun soll, dann gehe ich schon einmal in den Widerstand. Es wird uns sehr schwer fallen, das Verhalten der Menschen zu verändern. Der erheblich klügere Ansatz aus meiner Sicht dieses, Wie kann ich die Verhältnisse ändern, also die Rahmenbedingungen, unter denen Mobilität stattfindet. Eine wesentliche, die wir jetzt diskutiert haben, ist völlig richtig, wie gestalte ich den öffentlichen Raum? Völlig klar. Eine zweite Rahmenbedingung sind natürlich auch auch rechtliche Rahmenbedingungen, Spielregeln. Wien hat jetzt die Parkraumbewirtschaftung sehr erfolgreich auf ganz Wien ausgeweitet. Da verändern sich die Spielregeln und die Mobilität verändert sich mit. Und ich will jetzt nicht sozusagen ausschließlich mit dem Finger auf andere zeigen. Wir haben beispielsweise in Wien das Garagen Gesetz schon vor Jahren verändert. Wo ich mit dem Stellplatzregulativ die Möglichkeit habe, bei entsprechend Voraussetzungen von der Stellplatzverpflichtung ganz weit runterzugehen, was ich für sehr klug und sehr notwendig empfinde. Im übrigen Wunsch des kleinen Planers an die Politik. Da war noch mehr möglich. Aber ich verweise auf Zahlen, wo man teilweise schon nur mehr böld schaut, sag ich einmal. Ich weiß nicht, ob es jedem bewusst ist, dass in Österreich mittlerweile glaube über 60 % der neu PKWs als Dienstwagen gekauft werden. Dass dieser Anteil in zehn Jahren von 50 % auf über 60 % gestiegen ist, das ist nicht nur ärgerlich, sondern da kann ich mir ständig denken, dass ich als Steuerzahler diese Kiste zum Teil mitgezahlt habe. Ja, das sind aber Verhältnisse, oder Pendlerpauschale oder Details in der StVO. Und ich würde das jetzt nicht so ausschauen als würde ich da rein mit dem Finger auf andere zeigen. Ich glaube nur, wenn man systemisch sich die Frage stellt, Wie verändere ich das Verhalten der Mobilität in der Zukunft, darf man nicht vergessen, dass unser Mobilitätsverhalten, der Mensch ist bequem, ist es einfach so. Knoflacher hat das hervorragend nachgewiesen, in vielen Details richtigerweise. Wir müssen uns die Frage stellen, Was sind die Spielregeln, die die Menschen dazu bringen, dass sie sich so verhalten, wie sie sich verhalten und wie kann ich diese Spielregeln bestmöglich dahingehend beeinflussen, dass sich die Menschen klug verhalten?

Alexander Nikolai [00:41:55] Aber da sind wir beim öffentlichen Raum. Der öffentliche Raum, der muss so gestaltet sein für die Zukunft, dass eben die Stellplätze reduziert werden, wir haben es am Nordbahnhof von drei auf einen Stellplatz reduziert. Wir haben viele Garagenplätze dort.

Andreas Sator [00:42:08] Was heißt von von drei auf eins?

Andreas Sator [00:42:09] Wir haben wenn drei Stellplätze früher im öffentlichen Bereich waren, ist nur mehr einer vorgesehen. Dann haben wir auch umgesetzt am Nordbahnhof, weil die meisten auch von dem ausgegangen sind, das ist auch so, dass die Garagen Plätze mitgenutzt werden, das heißt von der Oberfläche verschwinden. Dass wir unten die Fläche, die für Stellplätze vorgesehen wären, auch durch Gehsteige, Abstellanlagen und vieles mehr zurückgewonnen worden ist, ist natürlich nicht das Letzte. Es könnte viel mehr gehen, wie der Thomas das jetzt gesagt hat. Man muss halt nur Schritt für Schritt noch mitdenken. Wichtig ist für mich, wenn ich Menschen sage, du sollst auf etwas verzichten oder soll ich es reduzieren, etwas anzubieten. Und ich glaube da sind wir sehr, sehr gut unterwegs, auch mit den Wiener Linien, mit Wien Mobil und vieles mehr. Dass wir sagen, ich biete dir an, du verzichtest öfters auf dein Auto, auf dein Auto oder die Familie überhaupt kein Auto mehr in Zukunft haben wird. Dass du auf Carsharing umsteigen, auf Scooter, Radfahren, Infrastruktur und was noch wichtig ist, gute Intervallverbindung oder Verdichtung des öffentlichen Netzes. Und am liebsten natürlich öffentliches Netz ist sowieso U Bahn Netz, das jetzt noch einmal ausgebaut wird. Aber Straßenbahnen und vieles mehr. Ja, und ich glaube, dass das auch ganz wichtig ist, ich komme ja selbst von den Wiener Linien, ich habe ja dort auch lange gearbeitet. Diese öffentlichen Anbindungen sind ganz wichtig, die Verdichtung, die Grätzel oder die Bezirke anzubinden nach Außen hin, dass sie auch da verzichten können in Zukunft. Die Schritte dauern, die sind einige Jahre noch weg. Aber auch diese Struktur auszubauen kostet sehr, sehr viel Geld und die Zet muss man sich auch nehmen. Dass man das mit dem Budget mitbedenkt. Ist jetzt keine Ausrede, sondern die Infrastruktur anzubinden und ich weiß das, das kostet aber hunderte Millionen Euro solche Sachen. Aber sie sind wichtig. Für manche geht es zu langsam. Wir müssen aber jetzt anfangen. Und bei uns im Bezirk ist es ja auch so, dass wir schauen, dass wir öffentliche Verkehrsmittel ausbauen in Zukunft und verdichten und auch mit den Wiener:innen sehr kooperativ dran sind. Wo schaut das zum Beispiel bei der Waterfront aus, dass wir auf einem guten Weg, dass man sagt, wir haben viele Stellplätze, die es in Zukunft nicht mehr geben wird, nicht mehr angeboten werden, weil die Zukunft des Stadtteils Waterfront und Carsharing Angebote, öffentliche Verkehrsanbindung und Radinfrastruktur zu Fuß Infrastruktur geben muss, also öffentliche Plätze, die genutzt werden, ohne dass ein Individualverkehr drinnen stattfinden muss. Aber das ist auch in der Entwicklung auch berücksichtigt, dass wird in Zukunft auch so weitergehen mit dem gesamten Viertel. Ob es jetzt da das Waterfrontviertel zwei Ausbau oder weiter im Nordbahnhof ist.

Barbara Laa [00:44:52] Es ist ganz interessant für mich. Ich komme mir vor wie in so einer Stadt Wien Werbeeinschaltung. Ich habe sehr viel mit unterschiedlichen Seiten zu tun, also, dass ich von der Stadt Wien, was ich von Bürgerinitiativen und auch die wissenschaftliche Seite und das sind ganz andere Sichtweisen. Und natürlich hat sich das jetzt alles wieder ganz super an. Ich freue mich, dass wir bei der Vision gleicher Dinge sind. Wir wollen die Menschen mitnehmen. Aber trotzdem Fakt ist, in Wien sind immer mehr Menschen, denen reicht es einfach. Und gerade wurde angesprochen in diesen neuen Stadtentwicklungsgebieten. Ich kenne das Beispiel aus dem Sonnwendviertel, wo es diese zentrale Fußgängerzone gibt. Es war einmal als Fußgängerzone geplant und dann hat es plötzlich geheißen, die soll doch wieder befahrbar werden mit Parkplätzen im öffentlichen Raum. Und nur weil sich dann dort eine Bürgerinitiative gegründet hat, die eine Petition dagegen eingebracht hat, wurde das dann doch nicht gemacht.

Thomas Madreiter [00:45:50] Aber das ist gelebte Demokratie.

Barbara Laa [00:45:53] Genau. Aber wenn ich mir sie so anhört, dann will die Stadt sowieso alles aber man muss schauen, dass man die Menschen mitnimmt und dort, ich weiß nicht was ausschlaggebend war dafür, dass dann doch Parkplätze kommen hätten sollen. Aber dort war es ja eher andersherum, als das jetzt geklungen hat, meiner Meinung nach. Im Sonnwendviertel bei dieser Fußgängerzone. Das andere Beispiel, ich meine, wir haben jetzt einen Vertreter nicht da, aber im 20 Bezirk hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die 20er*innen, die sehr sehr gut aufdecken, wie hier Ankündigungspolitik betrieben wird mit Straßenumgestaltungen und im Endeffekt bleibt nichts davon übrig. Oder es werden Sanierungen im Bestand gemacht ohne neues Schaffen von grünen Raum. Es wird gesagt, man macht eine Neugestaltung von der Wallensteinstraße, die die direkte Verbindung von Donaukanal Innenstadt zu einem riesigen neuen Stadtentwicklungsgebiet wird. Und von vornherein sagt die Bezirkspolitik hier kommt kein Radweg, obwohl die Anrainer*innen sich das wünschen würden. Und das also noch einmal warum ich aktiv geworden bin, warum viele andere aktiv werden, vielleicht auch um zu zeigen, in der Bevölkerung ist dies vielleicht teilweise schon viel weiter, als die Politik ihr das zutraut. Und ich glaube, in den nächsten Jahren wird es noch ganz viele Konfliktpunkte geben bei den einzelnen Umgestaltungen, Stadtentwicklungsgebieten. Und ich weiß, die Stadt Wien macht viel, sehr viel richtig. Nur als als Gegenpunkt vielleicht, um das auch ein bisschen zur Realität zurückzuholen. Und es gibt natürlich diese andere Sichtweise auch, vor allem in der Bevölkerung, mit der ich viel zu tun habe.

Thomas Madreiter [00:47:30] Das ist auch völlig okay. Also ich würde jetzt sozusagen nicht den Anwalt von nicht anwesenden Bezirken spielen wollen. Zur Wallensteinstraße, ohne das im Detail sagen zu wollen, da muss man hald einfach wissen, da fahren mehrere Straßenbahnlinien durch, hochfrequent. Aber noch einmal, das ist für mich nicht das Ende der Diskussion. Also da sollte auch mehr gehen, da bin ich zutiefst davon überzeugt. Zu dieser Frage passiert viel oder wenig. Also weil du sagst Werbeeinschaltung der Stadt Wien, ich habe bewusst gewisse Zahlen nicht genannt. Jetzt nenne ich sie, du hast mich einfach herausgefordert. Die Stadt Wien investiert alleine in den nächsten zwei Jahren knapp 3 Milliarden in den Klimaschutz. in Klimaschützende Maßnahmen. Ja, alleine die Wiener Stadtwerke bis 2025 4 Milliarden Euro, das sind riesige Summen. Und was man eben nicht übersehen darf, wir haben parallel eine Covid Krise. Wir haben eine Inflation von 8 % wir haben einen Ukraine Krieg. Und auch ich kämpfe dafür, dass man diese Dinge keinesfalls gegen den Klimaschutz aufrechnet. Das können und dürfen wir uns nicht leisten. Also das ist ein Nogo für mich. Ja, aber ich kann es auch nicht ausblenden. Also es gibt einfach diese zwei Sichtweisen, die ich akzeptieren muss, das hat einmal ein kluger Mensch, so formuliert, das ist, dass es Leute gibt und da zähle ich mich auch dazu und dich und dich ich glaube, wir alle am Tisch, die ich sage das jetzt nicht pathetisch, sondern die das Ende der Welt, so wie wir sie kennen, sehen. Und ich muss aber verstehen, dass es auch andere Menschen gibt, die sagen Das ist lieb, aber ich kämpfe mit Ende des Monats. Alleinerziehend. Wie schaffe ich das? Wie schaffe ich das, wenn sich die Gasheizung verdoppelt? Wenn sich der Strompreis ver Xfacht, wie schaffe ich das? Und ich glaube, unsere Aufgabe ist es einfach, durch ein vernünftiges Vorgehen auch diese Ebenen in Deckung zu bringen. Und das führt dazu, dass sie nicht jede Straßendecke, die ich aufgrund einer Abnutzung sanieren muss. Also da gibt es wieder Regelungen, wenn die Spurregeln ein bisschen tiefer sind. Wäre schön, wenn ich dort überall Bäume pflanzen könnte und ich bin der erste, der das super findet. Das Problem ist aber nicht der Belag, sondern die Einbauten drunter. Und die Einbauten liegt blöderweise so drunter, dass ich im Regelfall dort genau nicht die Baumreihen errichten kann. Das Argument dagegen damit jetzt nicht falsch verstanden werden, ich muss einfach wissen, das sind teilweise irre Aufwendungen, wenn ich da Kanal, Wasser, Strom, Gas hoffentlich nicht mehr in Zukunft, Fernwärme etc. verlegen muss. Noch einmal, ist kein Argument dagegen, aber ich ersuche einfach um ein Verständnis dafür,   dass man, dass man diese, diese Kunst schaffen müssen, diese Dynamik zuwege zu bringen. Aber trotzdem das System nicht völlig zu überfordern, was den Ressourceneinsatz anlangt und eben auch die Leute in ihrer sozialen Beweglichkeit nicht völlig zu überfordern. Insofern noch einmal in deine Richtung Barbara gesprochen, finde ich es total gut, dass es mit Platz für Wien und und dass es dort Leute gibt, die einen starken Druck in diese Richtung entfalten. Das ist  notwendig, weil uns das Ausbalancieren ein Stück weit erleichtert. Umgekehrt ersuche ich um Verständnis, dass auch unser Job auch ein Stück des Wahren dieser Balance ist. Ohne dass im Endeffekt auf eine Mischung kommen. Wenn die Balance dazu führt, dass ich die Klimakrise nicht löse, dann ist die falsche Balance.

Alexander Nikolai [00:51:12] Und die Menschen auch darauf vorbereite. Das ist ja genau das, auf wienerisch sagt man „Langsam zur Tränke führen aber nicht gleich ersauffen“. Es ist leider so, wenn du mit den Menschen redest, musst du sie auch langsam hinführen. Das auch das Bewusstsein ein anders, auch des Politikers. Ein Bewusstsein prägt. Und die Zeit muss man sich auch nehmen. Muss man auch haben. Und da glaube ich, deswegen ist es auch gut, dass man immer mehr an die Bürger:innen zur Nahe geht bzw Bürgerversammlungen und Bürgerinitiativen auch wahrnimmt und auch Gehör findet. Gehör finden die Bürgerinitiativen. Ja, und da gibt es auch Anfragen dazu, wir haben dort das und das und wir wollen das nicht, dann hört man sich das auch an. Wichtig ist aber auch, auf Augenhöhe zu diskutieren, auch gleich die Maßnahmen zu setzen, aber auch zu sagen, ich kann etwas nicht gleich umsetzen, aber man nimmt das in die Projektierung mit. Deswegen ist es auch ganz wichtig, wenn so etwas kommt. Anfragen, die auch in die nächsten Projekte mit einbezogen werden können, aber auch zu sagen, was manchmal nicht geht, warum es nicht geht, aber auch aufzuklären, warum manches nicht gleich geht, das ist eine Kunst, das ist nicht gerade leicht.

Andreas Sator [00:52:21] Ganz kurz. Alex mich würde interessieren, wie du das versuchst, die Leute zu überzeugen oder die Balance zu schaffen, weil man redet ihr dann zu gern von abstrakten Zielen in der Zukunft. Aber wenn wir jetzt schauen, 2030 oder 2040, das sind 18 Jahre, viele Projekte, die du jetzt in deiner Laufzeit machst, so schaut das dann wahrscheinlich auch 2040 aus. Würde mich interessieren, hast du das Gefühl, dass du mit deiner Arbeit und im zweiten Bezirk den notwendigen Beitrag, das notwendige Tempo schaffst? Und wie schaffst du diesen Balanceakt, wo wir uns ja einig sind, dass das immer ein schwieriges Hin und Her ist. Aber es gibt halt so das politisch Mögliche, aber es gibt auch das ökologisch Notwendige. Und ich glaube, da sind sich eigentlich alle in der Wissenschaft einig und vermutlich auch hier am Tisch, dass das noch nicht zusammenpasst und dass man da was machen muss, damit das irgendwie zusammen geht und nicht 2027, sondern jetzt. Wie machst du das?

Alexander Nikolai [00:53:26] Ich hab jetzt 27 Zeit. Ich muss jetzt Schritt für Schritt eins nach dem anderen wirklich umsetzen. Wenn ich sage, ich nehme jetzt die nächsten zwei, drei Jahre noch Zeit und schau mir an was wir alles noch machen können. Es sind hald viele Schritte und unterschiedliche Projekte, die aber ein Ziel haben, diesen dieser Klimaneutralität oder diesen Maßnahmen dort hin zu bewegen, dass man auch und da ist man heute manchmal auch unbeliebt. Das ist auch so eine Phase, wo man dann reingeht als Politiker oder der Verantwortliche, der dort nicht sagt, ich hätte aber schon gerne, dass dort mehr passiert und nicht dann in einem Jahr, sondern jetzt anfangen und schon jetzt alles noch der anderen reinsetzen. Das sind viele Projekte, die im Bezirk passieren und ich nehme nur ein Projekt direkt raus oder ein zweites. Das ist der Praterstern, der ist ja mit Begrünungsmaßnahmen hier ja gut ausgestattet worden, aber wenn man dann zuhört, was alles auf uns zukommt. Mit ein Grad mehr, zwei Grad mehr und es wird ja nicht besser. Und die Hitze.

Andreas Sator [00:54:23] Kurz umgesetzt, auf Wien heißt es dann, das ist die Durchschnittstemperatur. Global heißt es dann eher 5, 6, 7 Grad.

Alexander Nikolai [00:54:29] Ja, genau. Und das ist so eins nach dem anderen, wo man ja bewusst dann auch den Leuten das Bewusstsein rüberbringen muss. Was heißt das auch für die Zukunft? Und es sind so viele Sachen, so Plätze, die man auch reinbringt. Das Wichtigste ist ja. Ich bin ja auch derjenige, der schaut, dass man auch dieses finanziert bekommt. Die Bezirke haben ja ein Budget zur Verfügung, das sie nicht dauernd überspannen können, dort kostet das 5 Millionen und 20 Millionen, das haben wir ja alles nicht, aber wir haben ein kleines Budget als Bezirk aber natürlich haben wir die Kooperationspartnerschaften in den Stadtratsbüros bzw in den Magistraten, wo wir sagen, die Klimamaßnahmen sind hochrangig zu bewerten und relativ rasch umzusetzen. Deswegen ist ja auch Praterstern und Praterstraße einer derjenigen, der sehr viel Begrünung, viel Wasser, Schatten, Möglichkeiten und vieles mehr dazu bekommt.

Barbara Laa [00:55:17] Darf ich kurz eine Zwischenfrage stellen, warum am Praterstern eigentlich keine Autospuren weggenommen werden, wenn dort die Begrünung so wichtig ist und wir ohnehin die Ziele haben, den Autoverkehr zu reduzieren und wir dort immer noch 4 bis 6 Spuren in diesen Kreisen haben. Mit Abbiegesspuren teilweise, ich glaube…

Alexander Nikolai [00:55:34] Die Spuren bleiben ja, die Spuren und die Abbiegung ist ja keine eigene Spur. Das ist ja integriert in der Spur. Aber das ist eine große Diskussion, die jetzt nicht beantworten kann in dem Sinne, wie man das mit dem Magistrat und mit den sicherheitstechnischen Anlagen. Aber der Praterstern ist ja ein zentraler Knotenpunkt in Wien, das müssen wir auch dazu sagen. Und man muss schön langsam, langsam heranführen und wir machen es ja zum Beispiel auf der Straße geben wir die eine Spur stadtauswärts auf. Das ist auch, den Leuten das näher zu bringen, was alles möglich wäre und was die Zukunft bringen wird. Plus Radinfrastruktur plus auch die Möglichkeiten Zugezogenen und vieles mehr zu. Wir haben ja viele Geschäftslokal und der Praterstern kriegt trotzdem eine supertolle Begrünungsmaßnahme. Und ich glaube, dass das schon wichtig ist. Und das ist auch dem Bezirk gewachsen, dass wir nicht mit der Stadt noch nachjustiert haben, dass noch mehr passiert und es ist noch mehr passiert. Vielleicht für das was dann Maßnahmen wo man unglücklich ist, dass dann nicht so ist. Aber man macht schon vieles, bewegt schon langsam die Schritte dorthin.

Thomas Madreiter [00:56:42] Nur ein Veruch auf die Antwort, die ja extrem berechtigt ist, nämlich Wie bringe ich Dynamik hinein? Das ist unsere Kernforderung. Ich möchte wirklich verweisen. Für Projekte, die ich gut finde, sind die Wiener Klima Teams. Also wir investieren jetzt einmal als Stadt in zwei Pilot oder in drei Pilotbezirke in drei Jahren 13 Millionen € zusätzliches Geld, wo Wienerinnen und Wiener in diesen Bezirken ersucht werden und ersucht werden ist jetzt ein bisschen wenig formuliert, in Wahrheit gibt es da ein breitgefächertes Partizipationangebot Ideen einzubringen für Projekte, die Stadt klimafitter zu machen. Ich vermute, ein guter Teil wird sich im öffentlichen Raum abspielen. Diese Projekte werden die Qualität sicher gesichert weiterentwickeln, sodass man über was Relevantes abstimmen kann, wird abgestimmt drüber sind. Das Geld steht zur Verfügung und das ist die Basis. Das wird dann auf ganz Wien ausgerollt werden und das Relevante dabei ist jetzt für mich gar nicht so sehr, dass wir zusätzliches Geld für Klimaschutz gibt, das ist e einmal super, sondern das Relevante ist, dass es dort eine extrem wirkungsvolle Form einer Partizipation gibt. Und jetzt mach ich bei dir Werbung für einen anderen Podcast. Es gibt nämlich den Stadt Wien Podcast. Kann man sich anhören, der schildert diese drei Pilotprojektbezirke und ist mir wahnsinnig beeindruckend, weil wir hier insbesondere auch Menschen adressiert haben oder erreicht haben, die mit der Thematik bisher nichts zu tun gehabt haben und die wenig verwunderlich im Prinzip auf ähnliche Sachen kommen wie wir, nämlich die also ich will, dass meine Kinder sicherer auf der Straße gehen können. Ich will, dass mehr Schatten ist, dass die Aufenthaltsqualität in den öffentlichen Räumen steigt. Und genau das sind jetzt jenseits von technischen Maßnahmen, von ökonomischen Maßnahmen, halte ich das für extrem g’scheit, um dort den Schub zu erhöhen, die Geschwindigkeit zu erhöhen, die wir brauchen.

Barbara Laa [00:58:40] Zum Thema, wie man die Leute mitnimmt und oder eigentlich, es scheint, viele Themen, an die wir schon besprochen haben, würde ich gerne das positive Beispiel aus dem siebten Bezirk bringen. Ich weiß, dort schaut die Bevölkerung ein bisschen anders aus sind. Es ist ein kleiner Innenstadt Bezirk, als vielleicht irgendwo außen, aber ich fand das eigentlich sehr beeindruckend, wie die in den letzten Jahren vorangegangen sind und in den Seitenstraßen von der Mariahilferstraße, die ja bereits 2015 umgestaltet wurde, wie man dort schrittweise eigentlich immer progressiver geworden ist. Da hat man angefangen mit der Zieglergasse, dort sind die Gehsteige ein bisschen breiter geworden, ein paar Parkplätze sind weggefallen. Diese Nebelduschen und soweiter wurde auch stark kritisiert. Aber es war mal ein erster Schritt und dann ist die Neubaugasse gekommen und dort gibt es jetzt keine Oberflächenstellplätze mehr und man hat das gut kommuniziert. Im siebten Bezirk gab es schon lange eine Garagen Platz Erhebung, wo man draufgekommen ist, dass alle im Bezirk gemeldeten Autos eigentlich in Garagen Platz haben. Man hat dann auch eine Kooperation mit Garagenbetreibern gemacht das die Anrainer*innen vergünstigte Stellplätze bekommen und konnte somit diesen Konflikt rausnehmen. Und die dritte ich glaube letztes Jahr wurde dann die Zollergasse umgestaltet und dort war Parkplätze überhaupt kein Thema mehr. Alle weg, alle zufrieden damit. Da hatte man das Problem mit den Einbauten, dass man die Bäume nicht in die ehemalige Parkspur pflanzen konnte. Und der Bezirk hat’s geschafft, das nicht als Ausrede zu nehmen, sondern quasi kreativ und mutig voranzugehen. Und die Bäume wurden jetzt einfach in die Mitte von der Straße gepflanzt, wo normalerweise die Fahrbahn ist für die Autos. Ich glaube, es ist eine Begegnungszone. Man kann zufahren auch noch. Ich geh ja gerne in mein Lieblingscafe in der Gasse und ich habe einmal beobachtet, wie eine Familie das Auto für den Skiurlaub beladen hat. Das ist alles problemlos möglich. Man kann immer noch zufahren für diese Tätigkeiten, aber es ist so ein wahnsinniger Gewinn an Lebensqualität in dieser Straße, jetzt wo man nicht Park, Spur, Fahrspur, Parkplatz und enge Gehsteige hat, sondern man kann wirklich die gesamte Straßenbreite nutzen.

Thomas Madreiter [01:00:47] Genau deshalb sind diese Beispiele extrem wertvoll. Ich finde das total gut, gibt es in verschiedenen Bezirken, aber der Siebte ist da sicherlich auch vorangegangen. Ehre, wem Ehre gebührt. Wenn wir damit diese Beispiele haben zum Anschauen, zum Angreifen. Du hast erwähnt, die Mariahilfer Straße, ein prägendes Erlebnis für mich. Also an sich färbe ich mir die Haare nicht aber an sich müssten sie grau sein, sie sind es nicht. Also, wir sind da hingestellt worden wie die letzten Idioten, wie man so was machen kann. Ob man komplett wahnsinnig ist. Wir zerschneiden die Bezirke was da alles an Irrsinnsargumenten gekommen ist. Heute, du hast gesagt 70 %, ich würde fast behaupten, es gibt keinen vernünftigen Menschen, der die alte Mariahilfer Straße zurück haben möchte. Ich kenne zumindest keinen und das für mich sehenswerte ist, eine wesentliche Interessensvertretung in Wien aus dem Wirtschaftsbereich, hat das damals noch massiv bekämpft und wir haben heute ein sehr, sehr positiven Dialog. Weil die sagen, machts mehr davon. Wir wollen das in anderen Bereichen der Stadt auch haben. Und insofern ich glaube, darf man auch dort, also wir haben in Corona gelernt, die fatalen Eigenschaften von Exponentialfunktion, ja, ich bin sehr wohl auch überzeugt, dass es in der städtischen Entwicklung so was wie Kipppunkte gibt, in dem Fall positive Punkte, wo man sieht, wie öffentliche Räume aussehen können, wo wo dann das positive Element überwiegt, wo die Leute sagen Hey, wir wollen das. Wir akzeptieren jetzt auch provisorische Lösungen. Habe überhaupt kein Problem damit, man muss leider sagen, die Mahü war dort nicht. Also da ist vieles gut gelaufen, aber genau diese Testphase, ob du dich erinnern kannst oder wie das begleitet wurde, der gesamte Wiener erstaunlich ist auch zu unserem Erstaunen nicht so gut angenommen. Sie haben sie nicht vom Gehstein runtergehen traut. Er war auch ein Learning.

Alexander Nikolai [01:02:33] 13A.

Thomas Madreiter [01:02:35] Vielleicht, aber egal auch. Ja, wir brauchen diese Beispiele und ich glaube, das entfaltet dann einen sehr raschen Schub. Weil das verändert ja was im Kopf, wenn die plötzlich bemerke, dass dieser öffentliche Raum, zu dem ich bisher Straße gesagt habe, der kann eigentlich mein Wohnzimmer sein. Da kann ich mich hinsetzen in der Mariahilfer Straße in Schatten und ein Buch lesen. Diese völlig andere Qualität und diesen Shift im Kopf brauchen wir und dafür brauchen wir Pilotprojekte. Und ich glaube, da sind wir gut dran.

Alexander Nikolai [01:03:05] Verwundert sind wir eher auf der Mariahilfer Straße, dass trotzdem sich ab und zu jemand verirrt mit deinem Auto und fahrt wo er gar nicht fahren sollte. Aber ich glaube, dass das ganz, ganz wichtig ist, auch langsam Bilder zu setzen, dass die Menschen auch sehen, was passiert. Und ich glaube, dass das auch auch den Menschen die Zeit gegeben werden muss, dass sie verstehen, was sie vielleicht in einen falschen Weg abgebogen sind. Das ist auch ganz wichtig, dass unsere politische Verantwortung ist die Stadt Verantwortung auch in der Folge dessen, dass man auch mit Geschichten und Bildern arbeitet, wo man das hinführen kann. Aber dass glaube ich, sage es ganz offen, ja, man muss mutiger sein, man muss viel mutiger sein bei manchen Sachen. Und das wird auch dann die Zeit vorantreten wenn man noch ein paar Schritte dazutut und ich glaube, das tun wir auch.

Andreas Sator [01:03:50] Aber machen wir es ganz konkret, weil ich finde das sehr schöne Beispiele, die gebracht habt. Zollergasse, Neubaugasse auch die Otto-Bauer Gasse im sechsten Bezirk, siebte Bezirk mit Grüne Bezirksvorsteher, der sechste ist rot. Alex im Zweiten, das ist ja genau, was wir gesagt haben, wenn die Vision ähnlich ist bei uns am Tisch. Was mich ehrlich gesagt sehr überrascht hat. Ich glaube, dann gehörst du in der SPÖ eher zur Minderheit, wenn es darum geht, dass..

Alexander Nikolai [01:04:19] Man muss nicht überall beliebt sein.

Andreas Sator [01:04:21] Voll, aber dass in 15, 20 Jahren im öffentlichen Raum nicht mehr geparkt wird, sondern dass man da zu Fuß geht und man Radl fahrt und  vielleicht steht wo ein Sharing Auto. Man muss aber in der Garage parken, die dann wahrscheinlich auch mehr kostet als wir 10 € im Monat. Also wenn das die Vision ist, dann ist das ja genau Neubaugasse, Zollergasse, Otto-Bauer Gasse. Wird sowas auch im 2. Bezirk kommen? Du hast ja jetzt Zeit um so was schon mal zu machen. Und vielleicht auch im zweiten Bezirk, also nicht nur im siebten Bezirk, sondern das auch in vielleicht wenn du wenn du sagst, in der SPÖ sind noch nicht alle so weit, um zu zeigen Hey, das geht, wir machen mal die zwei, drei Straßen. Ist vielleicht auch noch nicht das Tempo, das es braucht, weil wirklich die Zeit sehr knapp ist, wenn es um den Klimawandel geht. Aber kann man sich so was, Nordbahnhof ist eh schon sowas wo viel richtig gemacht worden ist. Aber wenn es jetzt um um andere Straßen gibt, ist das geplant. Macht ihr sowas?

Alexander Nikolai [01:05:26] Ja, das ist genau diese Situation. Und den Nordbahnhof hatten wir damals ja, die bin dort noch als Betriebsrat drinnen gesessen in der alten Busgarage. Ich sag immer, das hat man mit einem lachenden und einem weinenden Auge gesehen. Ich glaube eher, dass der Bezirk dort in den Nordbahnhof Viertel auch schon so gewandelt hat, dass man den, so wie er jetzt dort entsteht, auch angenommen hat. Und es ist weniger Stellplätze im öffentlichen Bereich, das ist viel Platz zu Fuß zu gehen. Es ist auch auch viele Parkanlagen. Wir haben jetzt grad auch diese Parkanlagen mit den 9,4 Hektar großen Parkanlagen. Das muss man auch dazu sagen. Da kommt vieles dazu. Wir haben die Waterfrontviertel zwei, wo wir diese Beispiele auch schon in Straßenzügen vollziehen. Also wir kommen ja dort her. Es ist für manche der Zeitraffer sehr kurz, aber die, die vorantreiben dessen der Projekte, dass eben auch unterschiedliche Annahmen sind. Und in jeder Partei gibt es unterschiedliche Maßnahmen. Manche sind radikaler, manche nicht radikal. Aber das ist ich glaube, dass nicht nur Parteiabhängigkeit ist, sondern dessen, was die Vernunft und das Verständnis dazu habe. Und wir sind schon die Verantwortlichen und wir müssen uns auch mit allen anderen dort absprechen. Und das Wichtigste ist den Bürgern entgegenkommen. Die Bürger sind dort und diejenigen, die dort leben, den Alltag verbringen und man kann nicht in jedem Grätzel wohnen und leben. Aber man kann dort auch dementsprechend auch die Maßnahmen setzen und ich hab das Beispiel jetzt und das ist zum Beispiel Czerninplatz, das ist eine Straße, wo auch zwei Straßenteile durchgehen, wo eine kleine Grünzone ist, die Aufwertung der Bürger ernst zu nehmen. Das war ein Aufruf letztes Jahr, ge könnts ihr das dort nicht machen, wir brauchen dort etwas anderes. Klimamaßnahmen, vieles mehr, Hitzeinsel und vieles, was das kommt jetzt. Und deswegen sagen wir Schritt für Schritt tun wir das. In vielen Gassen und Straßen.

Andreas Sator [01:07:16] Mich würde, Thomas bevor du ans Wort kommst, mich würde interessieren, weil ich kenne die Situation im zweiten Bezirk nicht so gut. Barbara hast du das Gefühl, wenn wir so an deine Vision von zu Beginn denken, dass das, was realpolitisch dann passiert, im zweiten, dass das richtige Schritte in diese Richtung sind?

Barbara Laa [01:07:36] Zahrt vielleicht. Also, ich bin auch nicht die Expertin für den zweiten Bezirk. Ich glaube, dass in den neuen Stadtentwicklungsgebieten, dort ist im öffentlichen Raum auch schon viel Verkehrsberuhigung und da gibt es diese Wohnanlagen, wo auch die Kinder einfach draußen spielen können. Und ich kenne Leute, die wohnen da, die sind sehr zufrieden. Im gewachsenen Teil der Stadt, glaube ich, müsste man noch viel, viel mehr umgestalten. Also da geht glaube ich noch nicht genug weiter. Ja, ich finde es ganz spannend. Vielleicht noch einmal, um auf das zurückzukommen. Es hört sich ja alles im direkten Gespräch gut. Ich glaube, das ist natürlich auch was, was Politiker machen. Immer redet immer so, wie es dem Gegenüber dann gut gefällt. Aber wenn ich mir dann denke, es gibt diese, diese Titelseiten am Tabor herrscht blankes Entsetzen, weil dort ein Radweg hingekommen ist? Ich weiß nicht, ob Sie immer noch fordern, dass da wieder rückgebaut wird. Es passt eigentlich nicht zu der Vision, die wir hier heute besprochen haben.

Alexander Nikolai [01:08:38] Das ist nie eine Forderung von mir gewesen.

Barbara Laa [01:08:41] Ich hatte das in diesem Zeitungsartikel so in Erinnerung.

Alexander Nikolai [01:08:43] Auch Medien schreiben falsch.

Barbara Laa [01:08:46] Na gut, dann konnten wir das ja hier, heute klären. Also ich freue mich, wenn das so ausschaut.  Im zweiten Bezirk, so wie überall anders, also wir brauchen dieses exponentielle Wachstum glaube ich, von der Umgestaltung. Und es freut mich, wenn wir da jetzt ein bisschen ins Tun  kommen. Derzeit und in den vergangenen Jahren ist da überall noch nicht genug weitergegangen. Deshalb habe ich das Beispiel vom 7. Bezirk gebracht, die da schon einige Schritte voraus sind und hoffentlich auch so als Role model wirken können, wo man sieht,  so kann’s gehen und das ist jetzt auch wieder ausstrahlt auf die anderen Bezirke.

Thomas Madreiter [01:09:26] Ich möchte noch zwei Gedanken einbringen, weil ich habe das Gefühl, es nähert sich dem Ende und wir reden ja über die Mobilität der Zukunft. Und wir sind dort auch irgendwie so ein Bullshit Wording Umfeld. Wir haben jetzt extrem sachlich diskutiert, mir hat das auch sehr gut gefallen. Aber es gibt ja da verschiedenste Heilsversprechen. Das automatisierte Fahren des E Auto beispielsweise, ich lasse jetzt einmal das automatisierte Fahren beisete, weil wir sind da der Hype dankenswerterweise wieder auf sehr realistisches Niveau eingekriegt hat. Ich möcht auf die E Autos kurz absteige und das ist jetzt vermutlich oder möglicherweise gar nicht so konsensfähig was ich sage. Ich empfinde es als blanken Wahnsinn, wir fördern den Ankauf eines Autos mit 5.000 € auf nationaler Ebene. Wir in der Stadt sollen dann schauen, wie wir uns mit diesen Autos dawürgen. Natürlich ist es klüger, wenn ein Auto, das ich aus welchen Gründen auch immer nicht wegbringe, wenn das nicht mit Diesel fahrt sondern mit erneuerbaren Strom, das ist schon klar. Aber zu meinen, dass in dieser Situation, in der sich der Globus befindet, es adäquat, wenn ich jetzt mit Autos herumfahr, die zwei Tonnen haben und wo 600 Kilo Batterie verbaut ist. Ja, also ich glaube, wir sollten das zumindest kurz benennen, weil dort herrscht so ein seltsamer Konsens orte ich manchmal dann ist e alles geregelt. Also wenn man die Autos auf E Autos umstellen, dann sind wir e alle glücklich und ich sage ich als Stadtplaner nein wirklich nicht, vielmehr das Gegenteil ist der Fall. Und einen zweiten Gedanken noch, das ist jetzt natürlich eine langfristige Geschichte. Man kann in der Stadt über vieles reden und ja, das muss schneller gehen. Und ich hoffe, dass da tatsächlich Dinge ins Rutschen kommen und das dann sehr viel schneller gehen wird, weil es muss sehr viel schneller gehen als es ist bisher gegangen ist, die Umgestaltung des öffentlichen Raums. Aber was wir viel zu wenig geredet haben, ist, finde ich, wie die Siedlungsstruktur in ganz Österreich. Wir haben einfach das, was die Mobilität wirklich konstituiert das ist die Siedlungsstruktur, das sage ich jetzt als gelernter  Raumplaner, und wenn ich einfach Siedlungsstruktur perpetuiere, die nicht nur am Boden verbraucht und jenseits von Gut und Böse ist, sondern die im Endergebnis es nach sich ziehen, dass perspektivisch und langfristig und dauerhaft weder ein Radverkehr noch ein zu Fuß gehen noch öffentlichen Verkehr sinnvoll organisierbar ist, dann habe ich ein wirkliches Proble über das ich reden muss. Weil in der Stadt kann ich zumindest relativ rasch umbauen. Aber wenn einmal diese Struktur, also wenn diese notwendige Dichte nicht da ist, Intensität da nicht da ist, dann wird mir das nicht gelingen. Und ich glaube auch, das muss man adressieren.

Andreas Sator [01:12:08] Sehr, sehr wichtige Themen Thomas, sind auch  schon den ersten Folgen vom Podcast behandelt worden nur heute konzentrieren wir uns auf Wien ist immer einfacher dann, die Bundesregierung sagt die Stadt macht zu wenig, die Bundesländer machen zu wenig. Umgekehrt sagen die, Brüssel macht zu, mach das. Also bleiben wir einfach mal in Wien, da kann man drüber reden und mich wird zum Ende noch interessieren, diese Dynamik, die wir besprochen haben. Alex, du hast immer gesagt, so, man muss da mutiger werden, mich würde interessieren, musst du mutiger werden? Nimmst du dich da mit?

Alexander Nikolai [01:12:45] Ich bin sehr mutig.

Andreas Sator [01:12:47] Also bei dir reicht das Tempo für die planetarischen Notwendigkeiten die es gibt, das reicht?

Alexander Nikolai [01:12:55] Nein, ich habe es zuerst gesagt, mir wäre es natürlich noch schneller wichtiger. Ich kann nur eines dazu sagen, wir treiben es voran und ich auch in den Bezirk auch. Und natürlich ist es für manchen langsamer und wäre auch schön, wenn manche Verhandlungen oder manche Punkte, die schneller abgehandelt werden, auch gleich zur Umsetzung kommen. Aber wir wissen auch, dass es Vorgaben gibt und vor allem auch Zeitraffer gibt, wo das eingeplant werden muss und dann erst umgesetzt wird. Weil wenn ich heute hergehe und sag, ich hätte diese Parkanlage bitte innerhalb von drei Monaten umgesetzt, wäre das wunderschön. Auch wir Straßensperren. Wir machen auch der Elderschplatz ist einer derjenigen, wo man den Straßenraum komplett weggenommen hat und eine Grünzone reingebracht hat damals. Und wo ein Kinderspielplatz absichtlich eingebaut worden ist von mir, damit dort ja keiner auf die Idee kommt, irgendwas da reinzulegen und es dann so Punkte bei den Straßenzügen Parkplätze abzulassen, Baumreihen reinzustecken, damit ja keiner mehr auf die Idee kommt, etwas in den Stadtentwicklung etwas anzufüllen. Und ich glaube, dass es für mich, ja Manches ist in Ordnung, aber manches und im Vorantreiben dessen, was meine Bauprojekte sind auch im Bezirk für mich persönlich immer viel zu langsam. Ich bin immer ein ungeduldiger Mensch, sagt meine Fraktion auch. Aber das ist manche Maßnahmen sind auch von der Stadt vorgegeben. Die brauchen ihre Vorlaufzeiten. Aber ich bin sehr mutig.

Andreas Sator [01:14:21] Aber was bräuchtest du dann damit? Also, wenn der Mut da ist, was bräuchtest du dann, damit das das notwendige Tempo hat?

Alexander Nikolai [01:14:30] Erstens einmal viel mehr Geld. Ist es auch, man muss das ja auch dazusagen, das kostet alles Geld. Die Forderungen, die alle am Tisch liegen, kosten alles Geld. Und die Vorgaben dessen, dass die Bauprojekte, also die Projekte relativ schnell ablaufen, ist es auch die Verhandlungen dazu und die Zeitraffer zu, von den Audit-Sitzungen und viel mehr, die sie auch zu Projekten gibt. Diejenigen auch natürlich von den Ressourcen der Menschen, die sie bearbeiten müssen, auch noch dazu, das man aber auch dazu sagen, es sitzen ja hinter jedem Projekt und jeder jeder Verhandlung sitzen auch Menschen, die es bearbeiten müssen. Und ich glaube, dass wir viele, sehr viele Projekte in Wien laufen haben, wo sich Menschen auseinandersetzen und relativ rasch probieren, dass das auch in die Verhandlung kommt, in die Umsetzung, kommt. Mir manchmal, aber das ist, wenn man ungeduldiger Mensch ist, das auch im Privatleben, ich hätte es auch lieber morgen als gestern, also gestern als morgen. Aber das ist halt im Leben so das man mit manchen sich abfinden muss. Heißt aber nicht, dass ich mich abfinde, dass das nicht so schnell ist, sondern wenn es Prozedere gäbe, die schneller wären, dann ist es auch für den Bezirk gut und auch für die Stadt gut.

Andreas Sator [01:15:36] Es heißt immer so oder härt man auch von Leuten in der Wiener SPÖ, dass die Parkplätze sind, die harte Währung der Bezirkspolitik. Hört man übrigens auch, wenn man sich im achten Bezirk umhört, teilweise bei den Grünen, die da mit den ÖVP immer ringen, wer ist jetzt vorne, dass da selbst in diesem Sektor nicht so radikal die Parkplätze angreifen traut?

Alexander Nikolai [01:16:02] Wenn es so wäre, würde keine Novaragasse gebaut werden, eine kleine Sperlgasse umgebaut werden, keine zukünftige Hollandstraße umgebaut. Da fallen einige Parkplätze weg. Das ist aber auch dazu muss man dazu sagen, kleine Sperlgasse ist ein Schulprojekt. Novaragasse ist ein Schulprojekt, wo einige Parkplätze wegfallen zugunsten des Gehsteigbereiches zugunsten Baumsetzungen, zugunsten auch Radabstellfunktionen und viel mehr. Also das funktioniert auch bei uns im Bezirk und ist natürlich auch bei den Nachteilen. Deswegen habe ich ja gesagt. Aber man muss auch manchen die Zeit geben, auch über das nachzudenken, weil auch die Politik in ihrer Sache auch diejenigen sind, die gewählt und auch die Umsetzer sind. Das heißt noch lange nicht, damit man sie spielen kann damit. Und das tun wir im Bezirk gar nicht und ich im Bezrik schon gar nicht. Also wir schauen, dass das nachhaltig auch umgesetzt wird.

Andreas Sator [01:16:52] Thomas Das Geld fehlt. Siehst du das auch so? Und der Alex hat gesagt, die vielen verschiedenen Punkte, die man abhandeln muss, damit was passiert. Auch das geht zu langsam. Wo siehst du das planetarische Notwendige mit dem politisch Möglichen, dass man das zusammenkriegen. Wo sind die Nadelöhre?

Thomas Madreiter [01:17:15] Das Geld, ist angesprochen worden. Ich sehe es auch bei den Personalressourcen. Wien ist seit dem Fall des Eisernen Vorhangs um über 400.000 Einwohner gewachsen. Das ist bei weitem mehr in absoluten Zahlen als die nächstgrößere Stadt. Die Stadtverwaltung ist konstant geblieben von den Köpfen her, also das nenne ich einen Effizienzgewinn. Und es fällt uns aber auch ein Stück weit auf den Kopf. Also wir verdoppeln jetzt dieses Radwegeausbau Budget, dass wird auch verbaut werden. Aber wir brauchen auch Leute, die das umsetzen können. Und wir haben und ich will das überhaupt nicht kritisieren, weil es gibt auch sehr gute Gründe dafür. Wir haben einfach in den letzten Jahrzehnten extrem elaboriertes Regelkonzept bekommen. Audits, Umweltverträglichkeitsprüfungen etc. das hat alles seinen Sinn. Also ich will da jetzt bitte nicht missverstanden werden, aber das führt dazu, dass die Dinge wirklich personalintensiv, zeitintensiv werden. Und vielleicht ist das von mir einfach ein Appell, diese Situation um dieses planetare Gleichgewicht, wie du sagst, wiederherzustellen. Das muss auch die grundsätzlichen Regeln infrage stellen. Ich sage das jetzt an einem trivialen Beispiel, entschuldige dass es wieder nicht aus wien ist aber ich komme vom Land. Mich holt das Beispiel des Landschaftsschutz zu 100 % ab. Ja, aber trotzdem muss ich erkennen, ich werde dort Windräder hinstellen stehen müssen. Ich muss einen Tod sterben. Also da muss sich vermutlich eine andere Balance einstellen, weil sich die Gegebenheiten geändert haben. Und insofern glaube ich, wir haben jetzt technische Fragen diskutiert, wir haben Partizipationsfragen diskutiert, ökonomische Fragen diskutiert. Aber wir werden auch das Rechtssystem diskutieren müssen. Und bitte nicht jetzt im Sinne von Laisser faire. Jeder macht, was er will. Das meine ich nicht damit. Aber ich kann doch nicht zur Kenntnis nehmen in dieser Situation, wo wirklich nur mehr, das wird sich in meiner Berufszeit abspielen, wo das entweder gelingt oder nicht gelingt. Und wenn ich dann aber sehe, dass wesentliche Siedlungs- oder Mobilitätsprojekte, Projekte die Genehmigungsabläufe haben, die selbst wenn heute alle sagen „super, machen wir!“ Dann in 15 Jahren in die Umsetzung gehen können. Das geht nicht.

Andreas Sator [01:19:30] Barbara Wie siehst du das, wie kriegen wir die Dynamik, die wir brauchen?

Barbara Laa [01:19:36] Ich möchte da zustimmen. Also ich glaube auch das, dass wir bei den grundsätzlichen Regeln was ändern müssen. Das ist wirklich die letzten Jahrzehnte. Es wurde alles so drauf ausgerichtet, dass es einfach business as usual weiterläuft. Es ist immer noch diese autogerechte Planung. Das fängt dann bei beim Stellplatzbau, also die Verpflichtungen in den Bauordnungen, StVO, was da alles drinsteht, aber natürlich dann auch noch die internen Richtlinien und die RVSn. Und so weiter. Also das ich kann noch verstehen, wenn man, wenn man selber in diesem System ist, also in der Verwaltung oder als Politiker oder als Politikerin, ist es schwierig, was zu verändern. Natürlich ist mein Leben einfacher, wenn ich einfach weitermacht wie bisher und nichts veränder und jetzt zu sagen Stopp, wir müssen das anders machen, ist eine Herausforderung, ist anstrengend. Und da brauchts die, die Leute auf der Seite genauso wie die Menschen auf der Straße. Also vielleicht noch einmal ein Appell an die Menschen, dass sie sich organisieren und auch zeigen, dass sie bereit sind für diese Veränderung. Wie wir angesprochen haben, das ist kein Verzicht, sondern das ist ein Mehr an Lebensqualität in der Stadt, wenn wir das alles umsetzen und diese klimagerechte Zukunft haben. Und es braucht auch diesen Druck aus der Bevölkerung. Und je mehr das wird, desto mehr wird auch in der Politik weitergehen und desto mehr werden sich die Rahmenbedingungen verändern. Dass dann auch noch mehr Menschen sehen, was das für einen positiven Effekt haben kann, dass noch mehr dafür sind. Also dieses sich aufschaukeln.

Thomas Madreiter [01:21:14] Positiver exponentieller Effekt.

Barbara Laa [01:21:15] Genau. Also es braucht die mutigen Politiker:innen, die motivierten Magistratler und eine Bevölkerung, die sich dafür einsetzt und auch bereit ist, diese Konflikte zu einem gewissen Grad auszutragen. Nicht gegeneinander, sondern schauen, warum sind manche vielleicht dagegen und wie können wir gemeinsam zum Ziel kommen? Also ja, immer, immer sachlich und mit dieser positiven Zukunftsvision, was wir ja als Platz für Wien wollten. Wir haben gesagt mehr Platz für zu Fuß gehen, fürs Radfahren, für Grünraum, impliziert natürlich weniger für den Autoverkehr. Aber darum geht es nicht. Es geht darum was können wir gewinnen?

Andreas Sator [01:21:56] Und ich nehme am Schluss auch noch die Medien mit, auch die müssen ihre Watchdog Rolle  erfüllen und die Politik die Verwaltung kontrollieren..

Thomas Madreiter [01:22:07] Nicht nur eine Watchdog Rolle, ich glaube auch die Frames. Also ich finde es immer faszinierend, wie Dinge geframt werden. Also wie wie in ganz tradierten Bildern gearbeitet wird und eben Dinge als Problem hingestellt werden, die möglicherweise überhaupt keine sind.

Andreas Sator [01:22:23] Was meinst du kommt, um es konkret zu machen?

Thomas Madreiter [01:22:26] Na ja, wenn über Unfälle berichtet wird, gibt es fast einen eigenen Forschungszweig dafür. Wie lauten dort die Headlines? Oder beispielsweise ja eh, wir haben manchmal einen Stau auf der Tangente. Ob das so schlecht ist, kann man diskutieren. Ja, aber das ich permanent freie Fahrt auf der U2 habe und auf der U1 und ja, es gibt irgendwo mal eine Störung, aber die kann man jetzt würde ich einmal sagen, gnädig beiseitelassen. Also wie frame ich die Dinge, was erklär ich den Menschen tagtäglich? Und das hat schon auch eine Wirkung. Also wenn der Ö3 Hörer sozusagen dann Tag für Tag irgendwie in erster Linie über den Autoverkehr informiert wird, aber der öffentliche Verkehr kaum jemanden, ich hoffe ich trete da jetzt niemanden zu nahe, vorkommt. Also dann sehe ich da eben auch die Medien in der Ziehung ja.

Andreas Sator [01:23:18] Also es braucht alle und es braucht Mut. Manche sehen sich schon als sehr mutig, andere brauchen vielleicht noch mehr Mut. Danke für eure Zeit und fürs Kommen.

Thomas Madreiter [01:23:27] Gerne.

Barbara Laa [01:23:28] Danke für die Einladung.

Alexander Nikolai [01:26:48]  Danke für die Einladung.

Warum fahren in Freiburg so viele mit dem Rad?

Damit wir in 🇦🇹🇩🇪 unsere Klimaziele erreichen, müssen wir so schnell wie möglich auf E-Mobilität umsteigen & den Pkw-Verkehr reduzieren. In Städten ist das 🚲 eine hervorragende Alternative. Darum schaue ich mir Städte an, die vorzeigen, wie es geht.

Dieses Mal: Freiburg. 🧵

Ich komme am Bahnhof an und merke schnell: So etwas wie hier in Freiburg habe ich im dt.sprachigen Raum noch nicht gesehen. 35 Prozent der Wege in Freiburg (Binnenverkehr) werden mit dem Rad zurückgelegt. In Wien sind es 7-9 Prozent. Das Rad ist omnipräsent.

Freiburg hat früh auf Tempo 30 gesetzt, sagt mir ein Beamter, der mir eine kleine Radtour gibt. In manchen Städten wie Münster ist der Radanteil u.a. hoch, weil es keine gscheiten Öffis gibt. In Freiburg ist das anders, darum ist der Pkw-Anteil im Binnenverkehr bei nur 21%.

In Wien ist man als Radfahrer:in in Wahrheit noch immer nur Gast auf der Straße und an den Rand gedrängt, die Straße gehört gefühlt und praktisch dem Auto. Ich habe als Radfahrer noch nie so einen respektvollen Umgang zwischen Rad und Auto erlebt wie hier in Freiburg.

Freiburg hat eine lange Tradition als Radstadt. Seit der Anti-Akw-Bewegung in den 70ern ist das Umweltbew. hier groß, sagt mir Bernhard Gutzmer von der Stadt Freiburg. Zuletzt haben Fridays for Future und eine Bürgerinitiative mit +20.000 Unterschriften noch mehr Druck gemacht.

Hier ein Parkhaus für Räder, die Radstation, gleich neben dem Bahnhof. Wer in der Früh mit dem Zug in die Arbeit wegfährt, parkt hier das Rad, damit man wieder bequem von der Arbeit nachhause kommt.

Derzeit laufen noch ein paar Bauprojekte, neue Wege für das Rad entstehen. Durch den Druck des Radentscheids ist das Budget für den Radverkehr derzeit auf einem Rekordhoch, bei geschätzt vier Millionen Euro heuer. Erstaunlich: Davor waren es nur wenige 100.000 Euro pro Jahr.

Auch das hat erstaunt mich: Tunnel, die eigens für den Radverkehr gebaut werden. Durch diese Unterführung sparen sich Radfahrer:innen nur ca. 100 Meter, aber der Radverkehr soll fließen können, heißt: Radfahren muss bequem sein, man soll nicht ständig an Ampeln stehen.

In der Vergangenheit hat man in der Radinfrastruktur eher Fokus auf die Aktiven gelegt, die, die ohnehin schon viel fahren und gute Bedingungen einforderten. Jetzt setzt man mehr und mehr auf Schwächere und Unsichere. Darum jetzt Fokus auf deutliche Markierungen bei Kreuzungen.

Klar gekennzeichnete Fahrradstraßen sind ein Mittel der Wahl in Freiburg. Hier haben Autos Nachrang und sie halten sich auch gut daran, so mein Eindruck. Die Straßen sollen breit genug sein, damit 2 Radfahrer:innen nebeneinander fahren und einer entgegen kommen kann (nicht hier).

Schönes Freiburger Sinnbild: Radfahrer:innen schauen beim ADAC vorbei.

Das liefere ich noch nach: Hier war bis 2019 rechts ein Parkstreifen. Jetzt ein ordentlicher Radweg.

Vielleicht noch zum Abschluss:
– Hier ist natürlich nicht alles besser
– Parkraumbewirtschaft ist ganz neu und nicht überall. Dafür 240-480 Euro p.a. je Autogröße, in Wien 120.
– Gehwegparken Usus! Wird erst langsam geahndet
– Wien hat top Öffis, aber Radsituation ist meh

Originally tweeted by Andreas Sator (@a_sator) on 1. May 2022.

Sicher mit dem Rad durch Wien? #wienrad

Radverkehr ist einer von vielen wichtigen Hebeln, um Emissionen zu reduzieren und Lebensqualität in Städten zu verbessern. Darum dokumentiere ich in nächster Zeit öfter meine Radwege in Wien unter #wienrad um zu zeigen, was gut funktioniert und wo es besser werden muss. 🧵

Heute: Mein Heimweg vom Karmelitermarkt im 2. in den 8. Bezirk. Es geht los in der Hollandstraße, hier ist ziemlich viel Platz aber ziemlich wenig Platz für das Rad. Prädikat: Absolut schrecklich, hier würde auch nie ein 11-Jähriger fahren. Das kann nicht genügen.

Über die Salztorbrücke ist es auch relativ ungemütlich. Jetzt, wo keine Autos fahren, ist das okay, aber auch dieser Radfahrstreifen ist nicht für einen 11-Jährigen geeignet und man hat ziemlich wenig Platz am 🚲.

Kurzer Abstecher Ri. Schwedenplatz. Hier ist zwar genug Platz, um Rad zu fahren, es ist aber wie so oft in Wien ein gemischter Geh- und Radweg. Man kann hier also nicht mit Tempo fahren, weil man ständig darauf schauen muss, wo Fußgänger:innen sind.

An Platz mangelt es hier am Franz-Josefs-Kai ganz und gar nicht. Alleine hier gibt es 4 Fahrspuren in eine Richtung! Die beiden ökologischten Varianten, sich fortzubewegen, das zuFußgehen und das Radeln müssen sich einen Weg teilen. Das geht besser!

Weiter geht's Richtung Schottenring. Auch hier teilt man sich den Weg mit den Fußgänger:innen, während die Pkws sehr viel Platz haben. Diese Überfahrt ist ein Nadelöhr und absolut ungeeignet.

Es geht weiter und hier fällt positiv auf, dass der Radweg grün markiert ist. Gerade weil es keine bauliche Trennung zu Fußgänger:innen gibt, ist das wichtig. Für einen Zweirichtungsradweg ist das aber auch viel zu schmal, man kann nicht überholen, wenn jemand entgegenkommt.

So, wir sind auf der Ringstraße. Hier fährt man okay aberFußgänger:innen und die Radfahrer:innen teilen sich hier wieder einen recht schmalen Streifen,obwohl die Ringstraße eig. sehr breit ist. Viele Autospuren u. Parkstreifen, das scheint der Politik wichtiger zu sein.

Die Ringstraße ist okay zu befahren, aber ich finde sie auch symbolisch wichtig. Wie hier die Verkehrsmittel behandelt und priorisiert werden, strahlt auf den Rest der Stadt aus. Man schlängelt sich dahin und es ist für einen Zweirichtungsradweg zu schmal.

Kleines Video dazu. Es gibt sicher schlimmere Stellen in Wien, aber es hier wirklich so unendlich viel Platz und es wird immer wieder richtig eng. Gerade jetzt, wo mehr und mehr Leute aufs Rad steigen, wird es tlw. sehr ungemütlich, auch für Fußgänger:innen.

Ich fahre an der Uni vorbei, hier rechts biegt man auf die Währinger Straße ab. Die ist wieder ein eigenes Kapitel. Hier schön zu sehen: Es gibt immer mehr 🚲 in Wien & zu wenig Platz. Man könnte die Straße hier als Einbahn für Pkws führen und einen echten Radweg bauen. @saya_ah

Aber ich fahre weiter auf die Universitätsstraße, die Kreuzung ist hier für Radfahrer:innen wirklich sehr gut gelöst.

Gleich danach fährt man aber so und man fragt sich kurz mal, ob das eigentlich ein Scherz ist.

An fast jeder Ecke fällt aber auf, dass die Zahl der Radfahrer:innen in Wien von Jahr zu Jahr mehr werden und dass die Infrastruktur nicht mithält. Hier gibt es aber kurz mal einen breiten Radweg, der tlw. sogar baulich getrennt ist. Davon braucht es viel, viel mehr.

Wir sind auf der Alser Straße, auch hier findet die Wiener Stadtpolitik (für sie ist die Stadt, nicht der Bezirk verantwortlich), dass ich in der Dooring-Zone ohne bauliche Trennung und neben Pkws mit Tempo 50 als Radfahrer fahren soll. Einbahn + Radweg pls!

Hier beende ich den 🧵 an einer Kreuzung, an der ich wirklich nicht weiß, wie ich eigentlich legal in die Lange Gasse abbiegen soll, ohne abzusteigen? Ich bin jedes Mal überfordert, wie ist es für ungeübte Fahrer:innen? Infrastruktur muss intuitiv und fließend sein.

Macht mit und begleitet eure Alltagsfahrten in Wien mit dem Rad unter #wienrad. Sammeln wir vorbildliche Ecken und die Straßen, wo es Besserungsbedarf gibt. Wo würdet ihr euren 11-Jährigen fahren lassen? Ich nutze das Ganze dann für meine Recherchen https://sonneundstahl.at 💛🚲

Originally tweeted by Andreas Sator (@a_sator) on 19. May 2022.

Was wir von Lustenau lernen können

Ich bin auf Recherchereise. Um die Klimaziele zu erreichen, müssen wir Pkw-Kilometer reduzieren. In Städten ist naheliegend, wie das rasch geht: Mehr Wege mit dem 🚲. Darum schaue ich mir einige Fahrradstädte an. Was können wir lernen?

Stopp 1: Lustenau.

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Lustenau hat einen für Österreich ungewöhnlich hohen Anteil von 22 Prozent Radverkehr. In Wien sind es 9 Prozent. Die Forschung zeigt, dass man mehr Menschen vom Auto aufs Rad bringt, in dem der Verkehr beruhigt wird und die Infrastruktur fürs Rad gut und sicher ausgebaut wird.

In Lustenau ist beides der Fall. Es gibt noch viel Luft nach oben, aber der Status quo ist für österreichische Verhältnisse fast luxuriös. Ich habe natürlich mein Rad eingepackt, um mir das selbst anzuschauen und ich hatte erst 1x Todesangst. Kein Vergleich zu Wien.

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Das hier ist die Grüttstraße, sie ist zur Fahrradstraße gewidmet worden. Es ist eine Wohnstraße, in die nur mehr Anrainer mit dem Auto dürfen. Man darf auch nur Tempo 30 fahren. Man sieht in Lustenau immer wieder Kinder mit dem Rad fahren: Das tut so gut zu sehen.

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Es gibt derzeit 2 Begegnungszonen, Autos dürfen hier nur maximal 20 km/h fahren. Das sind Plätze vor den Schulen und das ist sehr sinnvoll. Allgemein fällt auf, dass hier die Autos relativ langsam fahren. In vielen Teilen des Orts herrscht Tempo 30 oder 40.

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Dass hier so viele Kinder und Jugendliche mit dem Rad in die Schule fahren, finde ich richtig schön. Selbst aktiv und mobil sein zu können geht in einer autogerechten Stadt nicht. Auch in Lustenau ist das Auto dominant, aber das Rad hat hier deutlich mehr und besser Platz.

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Hier noch eine andere Schule, weil ich das so geil finde.

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Es ist aber bei weitem nicht alles eitel Wonne. Hier auf der Bahnhofstraße ist Tempo 50, der Radweg ist aber baulich nicht abgetrennt. Ein No Go. Vor allem, weil hier Lkws fahren und zwar nicht wenige. Nach dem 5. Lkw, der mich überholte, drehte ich um. Lebensangst.

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Allgemein ist das Radfahren hier aber beeindruckend angenehm, das liegt an der schönen Landschaft, die noch dazu brettleben ist, aber auch am langsamen Tempo der Autos, der teilweise guten Infrastruktur und an der sogenannten „safety in numbers“.

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So nennen Verkehrsforscher:innen das, wenn es genügend Räder auf der Straße gibt, dass Autos ständig mit ihnen rechnen und deshalb vorsichtig sind. Das ist hier merkbar der Fall. Laut Kurt Fischer, dem Bürgermeister (ÖVP), sind Dornbirn und Bregenz auch großartig mit dem Rad zu erreichen.

Da ist dann eigentlich die Frage, warum nicht mehr Menschen in Lustenau mit dem Rad unterwegs sind. Fischer plant jedenfalls eine Fahrradbrücke in die Schweiz, einen Lückenschluss vom Süden her und es wird gerade die 3. Begegnungszone gebaut.

Was ich an der Begegnung mit ihm beeindruckend fand: Er spricht nie in Zahlen, so wie ich das mache (-25% Pkw-Kilometer), sondern in Bildern. Die Kinder sollen vom Süden Lustenaus mit dem Rad in die Musikschule fahren können, darum wird ein großer Radweg gebaut.

Er redet auch nicht von Treibhausgasemissionen oder Verzicht, sondern von Lebensqualität, einer neuen Qualität des öffentlichen Raums, davon, die Kaufkraft in Lustenau zu halten, indem die Menschen nicht mit dem Pkw ins nächste Einkaufszentraum fahren …

und davon, dass Mobilitätspolitik in erster Linie auf die Schwächsten schauen muss: Auf die Kinder und auf die Älteren, die derzeit in ihrer Mobilität fast in ganz Österreich massiv eingeschränkt sind.