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Warum fahren in Freiburg so viele mit dem Rad?

Damit wir in 🇦🇹🇩🇪 unsere Klimaziele erreichen, müssen wir so schnell wie möglich auf E-Mobilität umsteigen & den Pkw-Verkehr reduzieren. In Städten ist das 🚲 eine hervorragende Alternative. Darum schaue ich mir Städte an, die vorzeigen, wie es geht.

Dieses Mal: Freiburg. 🧵

Ich komme am Bahnhof an und merke schnell: So etwas wie hier in Freiburg habe ich im dt.sprachigen Raum noch nicht gesehen. 35 Prozent der Wege in Freiburg (Binnenverkehr) werden mit dem Rad zurückgelegt. In Wien sind es 7-9 Prozent. Das Rad ist omnipräsent.

Freiburg hat früh auf Tempo 30 gesetzt, sagt mir ein Beamter, der mir eine kleine Radtour gibt. In manchen Städten wie Münster ist der Radanteil u.a. hoch, weil es keine gscheiten Öffis gibt. In Freiburg ist das anders, darum ist der Pkw-Anteil im Binnenverkehr bei nur 21%.

In Wien ist man als Radfahrer:in in Wahrheit noch immer nur Gast auf der Straße und an den Rand gedrängt, die Straße gehört gefühlt und praktisch dem Auto. Ich habe als Radfahrer noch nie so einen respektvollen Umgang zwischen Rad und Auto erlebt wie hier in Freiburg.

Freiburg hat eine lange Tradition als Radstadt. Seit der Anti-Akw-Bewegung in den 70ern ist das Umweltbew. hier groß, sagt mir Bernhard Gutzmer von der Stadt Freiburg. Zuletzt haben Fridays for Future und eine Bürgerinitiative mit +20.000 Unterschriften noch mehr Druck gemacht.

Hier ein Parkhaus für Räder, die Radstation, gleich neben dem Bahnhof. Wer in der Früh mit dem Zug in die Arbeit wegfährt, parkt hier das Rad, damit man wieder bequem von der Arbeit nachhause kommt.

Derzeit laufen noch ein paar Bauprojekte, neue Wege für das Rad entstehen. Durch den Druck des Radentscheids ist das Budget für den Radverkehr derzeit auf einem Rekordhoch, bei geschätzt vier Millionen Euro heuer. Erstaunlich: Davor waren es nur wenige 100.000 Euro pro Jahr.

Auch das hat erstaunt mich: Tunnel, die eigens für den Radverkehr gebaut werden. Durch diese Unterführung sparen sich Radfahrer:innen nur ca. 100 Meter, aber der Radverkehr soll fließen können, heißt: Radfahren muss bequem sein, man soll nicht ständig an Ampeln stehen.

In der Vergangenheit hat man in der Radinfrastruktur eher Fokus auf die Aktiven gelegt, die, die ohnehin schon viel fahren und gute Bedingungen einforderten. Jetzt setzt man mehr und mehr auf Schwächere und Unsichere. Darum jetzt Fokus auf deutliche Markierungen bei Kreuzungen.

Klar gekennzeichnete Fahrradstraßen sind ein Mittel der Wahl in Freiburg. Hier haben Autos Nachrang und sie halten sich auch gut daran, so mein Eindruck. Die Straßen sollen breit genug sein, damit 2 Radfahrer:innen nebeneinander fahren und einer entgegen kommen kann (nicht hier).

Schönes Freiburger Sinnbild: Radfahrer:innen schauen beim ADAC vorbei.

Das liefere ich noch nach: Hier war bis 2019 rechts ein Parkstreifen. Jetzt ein ordentlicher Radweg.

Vielleicht noch zum Abschluss:
– Hier ist natürlich nicht alles besser
– Parkraumbewirtschaft ist ganz neu und nicht überall. Dafür 240-480 Euro p.a. je Autogröße, in Wien 120.
– Gehwegparken Usus! Wird erst langsam geahndet
– Wien hat top Öffis, aber Radsituation ist meh

Originally tweeted by Andreas Sator (@a_sator) on 1. May 2022.

Ist Radfahren in Wien wirklich so schlimm?

Ich war jetzt 2 Wochen in Deutschland mit dem Rad unterwegs, um mir best practices anzuschauen. Das machte mir erst bewusst, wie schwierig & unbequem es in Wien ist, sich mit Rad emissionsfrei, leise und sehr platzsparend zu bewegen. Aber ist das wirklich so?

Der @martin_blum, Fahrradbeauftragter der Stadt Wien meinte, und jetzt paraphrasiere ich, so schlimm ist es in Wien auch wieder nicht. Ich fragte mich: Bin ich schon so lange in Wien, dass ich den Pessimismus übernommen habe?

Um mich quasi gleich selbst auf die Probe zu stellen, beschloss ich, meinen Heimweg vom Bahnhof Meidling in den 8. Bezirk genau zu prüfen. Ich habe mir extra die guten Wege ausgesucht, die die tolle App Bikecitizens vorschlägt. Also, brechen wir auf. Los geht’s über …

die Wilhelmstraße, hier fährt es sich okay, der Radweg ist nicht baulich getrennt, aber immerhin gibt es rechts keine parkenden Autos und er ist auch breit genug, um dort bequem zu fahren. Kinder würde ich hier aber nicht fahren lassen. Die Arndtstraße ist dann gut.

Dieser Abschnitt ist wirklich ein überdurchschnittlich gut zu fahrender Weg. Dann geht’s aber wieder ab auf die Straße. Das ist wieder eher nur etwas für Mutige, rechts parken Autos, der Radstreifen ist sehr eng, das ist der Standard in Wien. Geht die Tür auf, gute Nacht.

Jetzt aber ab zum Gürtel. Diese Kreuzung ist meiner Meinung nach gut geregelt, es gibt ausreichend Platz um in beide Richtungen unterwegs zu sein. Natürlich geht immer mehr, aber Wien ist eng und das hier finde ich gut gelöst. Farbliche Kennzeichnung wär noch gut.

Gleich bin ich am Gürtel, vorher muss ich noch über diesen Weg, der von Fußgängern und Radlern gemeinsam genutzt wird. Das geht jetzt gerade, weil wenig los ist, ist aber immer wieder problematisch. Wer 🚲 fördern möchte, schaut, dass der Verkehr fließen kann. So geht das nicht.

So, ab auf den Gürtelradweg. Hauptverkehrsachse. Der Radweg ist baulich von der Straße getrennt, alles andere wäre absurd, aber für eine so wichtige Straße zu schmal. In Freiburg versucht man Fahrradstraßen so zu machen, dass 2 in eine Richtung und 1 entgegen kommen kann.

Höhe Westbahnhof, jetzt wird’s (un)lustig. Wer im Auto sitzt, fährt gerade Richtung Norden. Mit dem Rad muss ich jetzt erst mal die Straßenseite wechseln. Das heißt: An der Ampel warten. Kluge Verkehrspolitik sorgt dafür, dass umweltfreundlicher Verkehr fließt. Hier fließt nur 🚗

Jetzt muss ich über die Äußere Mariahilferstr., d.h. für mich noch mal warten. Auf einem kleinen Fleckchen übrigens, auf dem regelmäßig zu wenig Platz ist, mehr als 3, maximal 4 Räder passen da nicht her, der Verkehr nimmt am Rad aber stark zu. Problematisch.

Weiter geht’s, ich bin noch nicht am Gürtelradweg zurück und fahre jetzt an der dritten Ampel vorbei. Der Autoverkehr ist wahrscheinlich schon 2 Kilometer weiter, während ich mühsam von Straßenseite zu Straßenseite wechsle. Aber Glück: Dieses Mal grün.

Ich bin wieder am Gürtel, aber noch nicht zurück am Radweg. Vorher warte ich an Ampel 4. Das ist schon sensationell: Auf einer der Hauptverkehrsachsen in der Stadt muss man vier (!) Mal die Straßenseite wechseln, um gerade auszufahren. Das ist absurd.

Ich denke mir, so falsch war meine Erinnerung an die Situation in Wien nicht und fahre weiter. Hier hört der Gürtelradweg quasi zwischendrin einfach auf und man fährt auf einem kleinen Streifen direkt in dem Raum, in dem parkende Autos potenziell ihre Türen öffnen.

Beim Urban-Loritz-Platz ist der Radweg wiederum gut gekennzeichnet, gerade hier, wo viele Fußgänger:innen unterwegs sind, ist das wichtig. Das ist in Wien leider häufig nicht so, am Ring führt das immer wieder zu sehr gefährlichen Situationen mit Tourist:innen.

Aber ich schweife ab. Ich bin schon fast auf Höhe Thaliastraße, weiter auf einer Hauptradroute in einer der reichsten Städte der Welt, links und rechts jeweils vier Autospuren. Als Radfahrer:in teilt man sich hier den Weg mit Fußgänger:innen. So unverantwortlich!

Denn es geht bergab und man möchte mit dem Rad ja nicht nur sicher, sondern auch schnell vorankommen. Wer hier aber mit Tempo fährt, gefährdet Fußgänger. Die beiden umweltfreundlichsten Formen, sich fort zu bewegen, werden also gegeneinander ausgespielt.

Beim Bild oben würde ich mir noch eine farbliche Kennzeichnung wünschen, weil hier viele unterwegs sind, aber der Übergang ist okay. Danach bräuchte es wieder Farbe, denn viele halten hier den Radweg für den Gehweg. Das sorgt regelmäßig für Gefahr.

Gleich bin ich zuhause, ich komme in die Pfeilgasse. Das ist ein wichtiger Radweg im 8. Bezirk und meine Damen und Herren, was Sie hier im Bild sehen ist ein Zweirichtungsradweg! (Psst, Geheimnis: Hier gehen sich keine zwei Räder nebeneinander aus.)

Nachher sieht’s auf der Pfeilgasse so aus. Die immer größer werdenden Autos passen oft nicht mehr in die Parkflächen, sie ragen auf den Radweg. Wenn wie bei mir ein Auto kommt, ist unangenehm wenig Platz. Auch hier würde ich kein Kind fahren lassen …

Ich kreuze die Josefstädter Str. und fahre vorbei am Café Hummel (💛). Hier gibt’s aber leider gar keinen Radweg mehr, also fahre ich auf der Straße. Das ist zwischen den Bim-Gleisen nicht so lustig, aber das ist in Wien nun mal so und damit kann ich gut leben.

Auf der Laudongasse gibt es auch keinen Radweg, aber eigentlich mehr als genug Platz dafür. Der wird nur derzeit dafür verwendet, dass hier Autos 95% der Zeit rumstehen. Könnte man anders machen, finde ich. Aber nur meine Meinung! Hier endet’s. Bye.

Originally tweeted by Andreas Sator (@a_sator) on 8. May 2022.

Ist das hier noch Journalismus? Oh ja

Weil ich jetzt schon ein paar mal von Journalist:innen zu meiner Rolle bei Sonne & Stahl gefragt wurde: Ist das noch Journalismus oder schon Aktivismus? Das ist für mich sehr simpel: Kontrolle der Politik und Aufzeigen von Lösungen ist Grundaufgabe von Journalismus.🧵

Habe ich eine Haltung? Natürlich! Ich hätte gerne, dass wir den Planeten nicht kaputt machen. Genauso, wie ich für Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaat bin oder gegen globale Armut und deshalb ein Buch darüber geschrieben habe. Ein kleines Beispiel, um zu erklären.

Es gehört zur journalistischen DNA, für den Rechtsstaat, Demokratie und Menschenrechte einzutreten. Wenn ein Politiker den Rechtsstaat desavouiert, wie teilweise Kurz, Kickl oder Strache, wird das zurecht in Recherchen, Kommentaren, Titelseiten, Diskussionssendungen thematisiert.

Eine intakte Natur und ein stabiles Klima sind für mich als Lebensgrundlage der Menschheit absolut auf einer Ebene mit der Demokratie. Es wäre geradezu absurd, würde man als Journalist:in mit Gleichgültigkeit über den Klimawandel oder das Artensterben schreiben.

Ich stelle mir gerade vor, eine Partei putscht in 🇦🇹 und wenn Medien schreiben, dass das ein Wahnsinn ist, das hier Grenzen verletzt werden und wie man sofort gegensteuern muss: Würde hier ernsthaft jemand sagen, ist das jetzt nicht Aktivismus? That’s our job!

Natürlich ist wichtig, dass man sich als Journalist:in nicht von Emotionen treiben lässt. Wut darf etwa sein und kann aktivieren, aber in der Recherche und beim Schreiben, beim Gespräch mit Andersdenken und mit Interessensverteter:innen muss man ruhig und nüchtern sein.

Mein Verständnis von Journalismus ist, mich ständig mit anderslautenden Meinungen, Weltbildern und mit verschiedenen Interessen auseinanderzusetzen, mich tief einzuarbeiten und dann verschiedene Lösungen aufzuzeigen, wie man Probleme angehen kann.

Welche dann gesellschaftlich und politisch gewählt werden, ist dann nicht mehr meine Sache. Ich kann einen Kommentar schreiben und etwas kritisieren, aber in meinen Analysen und Schilderungen zeige ich nur verschiedene Wege auf, wie es gehen könnte.

Dazu gehört auch, klar zu machen, dass die Politik, die in 🇦🇹 etwa in der Verkehrs- od. Landwirtschaftspolitik verfolgt wird, nicht dazu führen, dass die Emissionen rasch genug sinken, um eine Klimakatastrophe zu verhindern und das Artensterben umzukehren.

Klar ist, dass es gerade auch im Klimajournalismus schon ein Problem mit starren Weltbildern und tlw. Aktivismus gibt, aber das gibt es in der Innenpolitik genauso. Journalist:innen sollten immer die eigene Ideologie hinterfragen, das passiert mir viel zu selten.

Probleme und Lösungen aufzuzeigen ist aber absolute journalistische Grundaufgabe. Und ich würde die Frage gerne mal umdrehen: Kommen die großen Medien in 🇦🇹 ihrer journalistischen Grundaufgabe, die Regierung zu kontrollieren, bei Umwelt & Klima nach?

Originally tweeted by Andreas Sator (@a_sator) on 10. May 2022.

Sicher mit dem Rad durch Wien? #wienrad

Radverkehr ist einer von vielen wichtigen Hebeln, um Emissionen zu reduzieren und Lebensqualität in Städten zu verbessern. Darum dokumentiere ich in nächster Zeit öfter meine Radwege in Wien unter #wienrad um zu zeigen, was gut funktioniert und wo es besser werden muss. 🧵

Heute: Mein Heimweg vom Karmelitermarkt im 2. in den 8. Bezirk. Es geht los in der Hollandstraße, hier ist ziemlich viel Platz aber ziemlich wenig Platz für das Rad. Prädikat: Absolut schrecklich, hier würde auch nie ein 11-Jähriger fahren. Das kann nicht genügen.

Über die Salztorbrücke ist es auch relativ ungemütlich. Jetzt, wo keine Autos fahren, ist das okay, aber auch dieser Radfahrstreifen ist nicht für einen 11-Jährigen geeignet und man hat ziemlich wenig Platz am 🚲.

Kurzer Abstecher Ri. Schwedenplatz. Hier ist zwar genug Platz, um Rad zu fahren, es ist aber wie so oft in Wien ein gemischter Geh- und Radweg. Man kann hier also nicht mit Tempo fahren, weil man ständig darauf schauen muss, wo Fußgänger:innen sind.

An Platz mangelt es hier am Franz-Josefs-Kai ganz und gar nicht. Alleine hier gibt es 4 Fahrspuren in eine Richtung! Die beiden ökologischten Varianten, sich fortzubewegen, das zuFußgehen und das Radeln müssen sich einen Weg teilen. Das geht besser!

Weiter geht's Richtung Schottenring. Auch hier teilt man sich den Weg mit den Fußgänger:innen, während die Pkws sehr viel Platz haben. Diese Überfahrt ist ein Nadelöhr und absolut ungeeignet.

Es geht weiter und hier fällt positiv auf, dass der Radweg grün markiert ist. Gerade weil es keine bauliche Trennung zu Fußgänger:innen gibt, ist das wichtig. Für einen Zweirichtungsradweg ist das aber auch viel zu schmal, man kann nicht überholen, wenn jemand entgegenkommt.

So, wir sind auf der Ringstraße. Hier fährt man okay aberFußgänger:innen und die Radfahrer:innen teilen sich hier wieder einen recht schmalen Streifen,obwohl die Ringstraße eig. sehr breit ist. Viele Autospuren u. Parkstreifen, das scheint der Politik wichtiger zu sein.

Die Ringstraße ist okay zu befahren, aber ich finde sie auch symbolisch wichtig. Wie hier die Verkehrsmittel behandelt und priorisiert werden, strahlt auf den Rest der Stadt aus. Man schlängelt sich dahin und es ist für einen Zweirichtungsradweg zu schmal.

Kleines Video dazu. Es gibt sicher schlimmere Stellen in Wien, aber es hier wirklich so unendlich viel Platz und es wird immer wieder richtig eng. Gerade jetzt, wo mehr und mehr Leute aufs Rad steigen, wird es tlw. sehr ungemütlich, auch für Fußgänger:innen.

Ich fahre an der Uni vorbei, hier rechts biegt man auf die Währinger Straße ab. Die ist wieder ein eigenes Kapitel. Hier schön zu sehen: Es gibt immer mehr 🚲 in Wien & zu wenig Platz. Man könnte die Straße hier als Einbahn für Pkws führen und einen echten Radweg bauen. @saya_ah

Aber ich fahre weiter auf die Universitätsstraße, die Kreuzung ist hier für Radfahrer:innen wirklich sehr gut gelöst.

Gleich danach fährt man aber so und man fragt sich kurz mal, ob das eigentlich ein Scherz ist.

An fast jeder Ecke fällt aber auf, dass die Zahl der Radfahrer:innen in Wien von Jahr zu Jahr mehr werden und dass die Infrastruktur nicht mithält. Hier gibt es aber kurz mal einen breiten Radweg, der tlw. sogar baulich getrennt ist. Davon braucht es viel, viel mehr.

Wir sind auf der Alser Straße, auch hier findet die Wiener Stadtpolitik (für sie ist die Stadt, nicht der Bezirk verantwortlich), dass ich in der Dooring-Zone ohne bauliche Trennung und neben Pkws mit Tempo 50 als Radfahrer fahren soll. Einbahn + Radweg pls!

Hier beende ich den 🧵 an einer Kreuzung, an der ich wirklich nicht weiß, wie ich eigentlich legal in die Lange Gasse abbiegen soll, ohne abzusteigen? Ich bin jedes Mal überfordert, wie ist es für ungeübte Fahrer:innen? Infrastruktur muss intuitiv und fließend sein.

Macht mit und begleitet eure Alltagsfahrten in Wien mit dem Rad unter #wienrad. Sammeln wir vorbildliche Ecken und die Straßen, wo es Besserungsbedarf gibt. Wo würdet ihr euren 11-Jährigen fahren lassen? Ich nutze das Ganze dann für meine Recherchen https://sonneundstahl.at 💛🚲

Originally tweeted by Andreas Sator (@a_sator) on 19. May 2022.

Was wir von Lustenau lernen können

Ich bin auf Recherchereise. Um die Klimaziele zu erreichen, müssen wir Pkw-Kilometer reduzieren. In Städten ist naheliegend, wie das rasch geht: Mehr Wege mit dem 🚲. Darum schaue ich mir einige Fahrradstädte an. Was können wir lernen?

Stopp 1: Lustenau.

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Lustenau hat einen für Österreich ungewöhnlich hohen Anteil von 22 Prozent Radverkehr. In Wien sind es 9 Prozent. Die Forschung zeigt, dass man mehr Menschen vom Auto aufs Rad bringt, in dem der Verkehr beruhigt wird und die Infrastruktur fürs Rad gut und sicher ausgebaut wird.

In Lustenau ist beides der Fall. Es gibt noch viel Luft nach oben, aber der Status quo ist für österreichische Verhältnisse fast luxuriös. Ich habe natürlich mein Rad eingepackt, um mir das selbst anzuschauen und ich hatte erst 1x Todesangst. Kein Vergleich zu Wien.

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Das hier ist die Grüttstraße, sie ist zur Fahrradstraße gewidmet worden. Es ist eine Wohnstraße, in die nur mehr Anrainer mit dem Auto dürfen. Man darf auch nur Tempo 30 fahren. Man sieht in Lustenau immer wieder Kinder mit dem Rad fahren: Das tut so gut zu sehen.

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Es gibt derzeit 2 Begegnungszonen, Autos dürfen hier nur maximal 20 km/h fahren. Das sind Plätze vor den Schulen und das ist sehr sinnvoll. Allgemein fällt auf, dass hier die Autos relativ langsam fahren. In vielen Teilen des Orts herrscht Tempo 30 oder 40.

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Dass hier so viele Kinder und Jugendliche mit dem Rad in die Schule fahren, finde ich richtig schön. Selbst aktiv und mobil sein zu können geht in einer autogerechten Stadt nicht. Auch in Lustenau ist das Auto dominant, aber das Rad hat hier deutlich mehr und besser Platz.

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Hier noch eine andere Schule, weil ich das so geil finde.

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Es ist aber bei weitem nicht alles eitel Wonne. Hier auf der Bahnhofstraße ist Tempo 50, der Radweg ist aber baulich nicht abgetrennt. Ein No Go. Vor allem, weil hier Lkws fahren und zwar nicht wenige. Nach dem 5. Lkw, der mich überholte, drehte ich um. Lebensangst.

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Allgemein ist das Radfahren hier aber beeindruckend angenehm, das liegt an der schönen Landschaft, die noch dazu brettleben ist, aber auch am langsamen Tempo der Autos, der teilweise guten Infrastruktur und an der sogenannten „safety in numbers“.

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So nennen Verkehrsforscher:innen das, wenn es genügend Räder auf der Straße gibt, dass Autos ständig mit ihnen rechnen und deshalb vorsichtig sind. Das ist hier merkbar der Fall. Laut Kurt Fischer, dem Bürgermeister (ÖVP), sind Dornbirn und Bregenz auch großartig mit dem Rad zu erreichen.

Da ist dann eigentlich die Frage, warum nicht mehr Menschen in Lustenau mit dem Rad unterwegs sind. Fischer plant jedenfalls eine Fahrradbrücke in die Schweiz, einen Lückenschluss vom Süden her und es wird gerade die 3. Begegnungszone gebaut.

Was ich an der Begegnung mit ihm beeindruckend fand: Er spricht nie in Zahlen, so wie ich das mache (-25% Pkw-Kilometer), sondern in Bildern. Die Kinder sollen vom Süden Lustenaus mit dem Rad in die Musikschule fahren können, darum wird ein großer Radweg gebaut.

Er redet auch nicht von Treibhausgasemissionen oder Verzicht, sondern von Lebensqualität, einer neuen Qualität des öffentlichen Raums, davon, die Kaufkraft in Lustenau zu halten, indem die Menschen nicht mit dem Pkw ins nächste Einkaufszentraum fahren …

und davon, dass Mobilitätspolitik in erster Linie auf die Schwächsten schauen muss: Auf die Kinder und auf die Älteren, die derzeit in ihrer Mobilität fast in ganz Österreich massiv eingeschränkt sind.

Was wird das hier?

Sonne & Stahl ist der Podcast für alle, die bei der Klimakrise Teil der Lösung sein möchten. Mein Name ist Andreas Sator, ich bin Journalist bei Der Standard und Macher von Erklär mir die Welt, einem der größten Podcasts Österreichs. Ich beschäftige mich seit Jahren mit der Klimakrise und dem Artensterben und weiß, dass viele damit überfordert sind und den Kopf in den Sand stecken.

Darum starte ich Sonne & Stahl: Radikal lösungsorientiert möchte ich Mut machen und zeigen, wie es geht. Mit nüchternen Informationen pragmatische Wege aufzeigen, wie wir diese größte Herausforderung unserer Generation meistern. Dabei hilft der Blick auf Menschen, Orte und Firmen, die schon zeigen wie es geht, gemeinsam mit schlauen Wissenschafterinnen, Anpackern, Leuten aus der Politik, Wirtschaft, von NGOs und mit euch, liebe Hörer:innen. Ihr werdet regelmäßig aktiv eingebunden.

Wie kannst du Sonne & Stahl hören? Das geht entweder über eine Podcasting-App oder direkt hier auf der Homepage. Du kannst den Podcast etwa bei Spotify oder bei Apple Podcasts hören. Hier kannst du dich mit dem Podcast auf Instagram verbinden.

Sonne & Stahl ist in Staffeln organisiert. Die erste Staffel dreht sich um das Thema nachhaltige Mobilität. Wenn gerade eine Staffel läuft, erscheint der Podcast immer Donnerstags um 5 Uhr morgens. So können auch die Frühaufsteher:innen unter euch den Podcast schon beim Aufstehen oder am Weg in die Arbeit hören.

Zwischen den Staffeln wird es dann Pausen geben, weil der Podcast sehr rechercheintensiv ist. Für die erste Staffel habe ich tausende Seiten an Studien und in Büchern gelesen und mit zig Menschen telefoniert und gesprochen. Teil davon ist auch eine zweiwöchige Recherchereise über Lustenau nach Freiburg, Köln, Münster und Berlin. Darum: Schau immer wieder hier auf der Homepage vorbei, wenn du am Laufenden bleiben möchest.

Die beste Möglichkeit, nichts zu verpassen, ist der Newsletter. Er wird mein wichtigster Ort sein, um mit euch in Kontakt zu bleiben. Ich schicke euch eine Mail, wenn eine neue Folge erscheint, melde mich mit Updates von Recherchen und werde euch regelmäßig Umfragen schicken, um eure Meinung und euer Wissen bei meinen Recherchen anzuzapfen. Macht bitte fleißig mit!

Ich hoffe, Sonne & Stahl bietet euch in dieser aufgeregten und schwierigen Zeit nüchterne und lösungsorientierte Information, die Mut macht.

Euer Andreas